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Medikamentöse Therapie.

 


Inhaltsübersicht

Auf dieser Seite werden die folgenden Themen behandelt:


In der aktuellen Behandlung dominieren Triptane

Zwischenbemerkung: Rezeptor-Agonisten und Rezeptor-Antagonisten

Nachteile der Triptane

Der richtige Einnahmezeitpunkt

Erst die Übelkeit bekämpfen und Magen und Darm mobilisieren, dann Schmerzmittel

Allodynie

Wiederkehrkopfschmerz

Verfügbare Triptane

Ergotamine (Mutterkornextrakte)

Weitere Medikamente

Allgemeine Empfehlungen

Selektive Aura-Behandlung

Notaufnahmen

Empfehlungen für Kinder

Empfehlungen für Schwangere und Stillende


In der aktuellen Behandlung dominieren Triptane


Wenn es zum Migräneanfall kommt, hilft in der Regel nur die medikamentöse Therapie.

Aktuell werden in der Regel Triptane verordnet, die speziell zur Behandlung des Migränekopfschmerzes entwickelt wurden und bei sehr vielen Patienten zuverlässig und rasch wirken. Allerdings wirken diese Medikamente nur bei schmerzbasierter Migräne und sind nicht zur Behandlung der Migräneaura geeignet. Im Gegenteil: Es wird geraten, Triptane keineswegs während der Auraphase einzunehmen, weil hierdurch das Schlaganfallrisiko erhöht werden kann. Bei vielen anderen Kopfschmerzarten sind Triptane wirkungslos.

Im Gegensatz zu den meisten Medikamenten zur Migräneprophylaxe ist der Wirkungsmechanismus der Triptane sehr genau beschrieben. Mit anderern Worten: Die Medizin weiß, warum Triptane wirken.

Der Name Triptane leitet sich von ihrem Angriffspunkt am Serotonin-Rezeptor ab, der wissenschaftlich meist als 5-Hydroxytryptamin-Rezeptor bezeichnet wird. Die Triptane werden daher auch als Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten bezeichnet. Im Prinzip könnte man es so ausdrücken: Die Triptane geben den Serotonin-Rezeptoren vor, Serotonin zu sein und entfalten darüber ihre Wirkung. Hierdurch bewirken sie einerseits, dass sich erweiterte Arterien im Bereich der Hirnhaut und des Gehirns wieder zusammen ziehen, andererseits hemmen Triptane die Freisetzung von gefäßaktiven Neuropeptiden und Botenstoffen, die in der Lage sind, Entzündungen an Gefäßen im Gehirn auszulösen. Zudem unterbrechen sie die Schmerzsignale, die aus der Hinhaut vermittelt werden.

Die verschiedenen verfügbaren Triptansubstanzen (siehe unten) binden unterschiedlich an die verschiedenen Serotoninrezeptoren. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass bei einem Patienten nur ganz bestimmte Triptane eine zuverlässige Wirkung zeigen, andere dagegen wirkungslos sind.



Zwischenbemerkung: Rezeptor-Agonisten und Rezeptor-Antagonisten


Triptane sind - wie bereits erwähnt - sog. Serotonin-Rezeptor-Agonisten.

An dieser Stelle soll einmal kurz erläutert werden, was das ist.

Wenn der Körper eine Botschaft zu einer Zelle versenden möchte, dann geschieht dies über sog. Rezeptoren. Ein Neurotransmitter (z. B. ein Hormon) passt in einen solchen Rezeptor wie ein Schlüssel in ein Schloss und darüber kann es seine Wirkung ausüben. Die Zelle versteht hierdurch, was gemeint ist. Der Neurtransmitter ist in diesem Sinne ein Rezeptor-Agonist, in dem es auf den Rezeptor passt und ihn aktiviert.

Auf das tägliche Leben übertragen könnte man sagen: Ein Rezeptor-Agonist ist ein passender Schlüssel, mit dem es gelingt, die Türe zu öffnen oder den Motor des Autos zu starten.

Triptane docken als Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten also nicht nur an die 1B/1D-Rezeptoren an, sondern lösen dabei auch die Wirkung des Neurotransmitters Serotonins tatsächlich aus (sind also nicht nur Schlüssel, sondern sogar passende Schlüssel), wie z. B. Gefäßverengung oder Schmerzsenkung.

Soll verstärkt eine hormonelle Botschaft umgesetzt werden, dann schüttet der Körper verstärkt dieses Hormon aus, dieses passt vermehrt auf entsprechende Rezeptoren und setzt dann vermehrt dessen Wirkung um.

Zu unterscheiden sind demgegenüber Rezeptor-Antagonisten (auch Rezeptor-Blocker genannt).

Rezeptor-Antagonisten passen wie der Rezeptor-Agonist auf den Rezeptor, können an diesen andocken, sind aber nicht in der Lage die Wirkung des Rezeptors auszulösen. Ihnen fehlt also noch eine Eigenschaft.

Auf das tägliche Leben übertragen könnte man sagen: Ein Rezeptor-Antagonist ist ein Schlüssel, der zwar ins Schloss passt, aber nicht in der Lage ist, das Schloss zu öffnen bzw. den Motor des Autos zu starten. Kommt nun der richtige Schlüssel, dann kann dieser den Rezeptor gleichfalls nicht aktivieren, weil dieser schon durch den Antagonisten belegt ist.

Rezeptor-Antagonisten verhindern also die Wirkung des Agonisten. Deshalb nennt man sie auch Rezeptoren-Blocker.

Wird beispielsweise vom Körper verstärkt Adrenalin ausgeschüttet, dann verhindern Beta-Blocker, dass das Adrenalin an zu vielen Beta-Rezeptoren andocken und darüber seine Wirkung entfalten kann.

Rezeptor-Agonisten können dagegen die Wirkung eines Neurotransmitters verstärken, denn der wirkliche Neurtransmitter ist jetzt in der Lage, an noch unbesetzten Rezeptoren anzudocken und die gleiche Wirkung zu entfalten.


Nachteile der Triptane


Triptane haben aber auch Nachteile, beispielsweise:
  • Sie sind teuer, so dass mancher Kassenpatient regelrecht um weitere Tabletten oder andere Darreichungsformen betteln muss.

  • Sie stehen in dem Ruf, langfristig die Anfallshäufigkeit zu erhöhen. Ggf. können sie einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz auslösen, der dann durch einen Entzug behandelt werden muss.

    Denkbar ist dabei insbesondere der folgende Mechanismus:
    Kommt es zu häufig erhöhten Neurotransmitter-Spiegeln (z. B. durch erhöhte Produktion/Ausschüttung oder durch äußere Zuführung), dann kann der Körper darauf durch Abbau von entsprechenden Neurotransmitter-Rezeptoren reagieren. Oder anders ausgedrückt: Es stehen dann weniger Rezeptoren zur Verfügung, die eine entsprechende Wirkung auslösen können.

    Triptane sind Serotonin-Rezeptor-1D/1F-Agonisten und wirken an diesen Rezeptoren wie Serotonin. Nach der Einnahme von Triptanen steht diesen Rezeptoren ggf. über Stunden eine hohe Anzahl von Serotonin-ähnlichen Transmittern zur Verfügung, und das u. U. auch dann, wenn die Migräne längst abgeklungen ist. Es ist denkbar, dass der Körper bei häufiger Einnahme von Triptanen mit einem Abbau von Serotonin-1D/1F-Rezeptoren reagiert. Das hätte zur Folge, dass auch das normale Serotonin in vielen Situationen nicht mehr ausreicht, um eine Migräne zu verhindern. Die Migränefrequenz kann in der Folge zunehmen. Durch die verringerte Anzahl der Serotonin-1D/1F-Rezeptoren ist es darüberhinaus denkbar, dass das Triptan nicht mehr so stark wirkt, wie bei der erstmaligen Einnahme.

    Dass das Nervensystem auf veränderte Neurotransmitterspiegel mit einer Anpassung der Rezeptorenanzahl reagieren kann, ist der Medizin längst bekannt.

  • Sie haben eine begrenzte Wirkungsdauer. Manche Patienten müssen nach spätestens 12 Stunden eine weitere Tablette einnehmen, weil sonst der Schmerz wiederkehrt.

  • Sie können schwere Nebenwirkungen haben und sind manchmal kontraindiziert.


Der richtige Einnahmezeitpunkt


Da Triptane nicht während der Aura-Phase genommen werden sollen und bei Spannungskopfschmerzen oder leichteren Migräneanfällen in der Regel nicht die geeignete Wahl sind, stellt sich die Frage nach dem richtigen Einnahmezeitpunkt solcher Medikamente.

Der Kieler Schmerzspezialist Prof. Göbel hat hierzu einen Triptanschwellen-Check entwickelt.

Manche Patienten haben beobachtet, dass die Einnahme eines Triptans zusammen mit einem heißen Getränk die Wirkung verbessert.



Erst die Übelkeit bekämpfen und Magen und Darm mobilisieren, dann Schmerzmittel


Bei vielen Betroffenen ist die Migräne von starker Übelkeit bis hin zu Erbrechen begleitet. Gleichzeitig ist die Peristaltik (wellenförmig verlaufende Kontraktion) des Magen-Darm-Trakts reduziert. Unter solchen Voraussetzungen wirken Medikamente unter Umständen nicht ausreichend.

Es empfiehlt sich deshalb möglicherweise zusätzlich ein Antiemetikum wie etwa Metoclopramid (MCP) oder Domperidon einzunehmen, und zwar auf Grund der eingeschränkten Magen-Darm-Bewegung selbst dann, wenn keine Übelkeit vorliegt. Das Medikament wirkt dabei zweifach: Es stimuliert einerseits die Peristaltik des Magen-Darm-Trakts, andererseits beruhigt es die Area Postrema im Gehirn, welche durch eine Migräne-Attacke belastet wird, was die Übelkeit und den Brechreiz erzeugt.

Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass diese Medikamente vereinzelt zum Teil schwerste Nebenwirkungen (z. B. sog. tardive Dyskinesien, d. h. unwillkürliche Zuckungen und Muskelverkrampfungen, die seltsame Bewegungen und Körperhaltungen auslösen) haben können, die gelegentlich bleibende Hirnschäden nach sich ziehen können, siehe z. B. das Buch Psycho-Pillen von Josef Zehentbauer für den Wirkstoff Metoclopramid.

Optimal ist es, das Antiemetikum 15 - 30 Minuten vor den Triptanen einzunehmen, dies kann auch schon während der Aura-Phase geschehen. Auf diese Weise ist die Übelkeit bereits abgeklungen, wenn die Triptane in den Magen gelangen. Es besteht somit nicht mehr die Gefahr, dass der Betroffene sich übergibt und die Triptane hierdurch nicht ausreichend wirken können. Die gleiche Regelung gilt auch für handelsübliche Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol: Erst das Antiemetikum einnehmen, dann zeitlich verzögert das Schmerzmittel.

Gleichfalls ist es ratsam, mit dem Trinken zu warten, bis der Brechreiz abgeklungen ist, denn Trinken kann die Übelkeit weiter verstärken. Sobald das Antiemetikum dann wirkt, ist es jedoch wichtig, viel zu trinken. Dies gilt insbsondere dann, wenn sich vorher übergeben wurde, was zu einem Flüssigkeitsmangel führen kann.

An Getränken empfehlen sich besonders Leitungs- und Mineralwasser. Geeignete Mineralwässer sind ggf. in der Lage, durch das Erbrechen entstandene Elektrolytmängel (z. B. Natrium, Magnesium) auszugleichen.


Allodynie


Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass Migränemittel zur Behandlung einer akuten Migräneattacke möglichst frühzeitig eingenommen werden sollten, wobei die bereits erwähnten Nebenbedingungen (z. B. Triptane erst nach Abklingen der Aura) natürlich beachtet werden müssen.

Durch eine frühzeitige Einnahme von Schmerzmitteln kann häufig eine sog. Allodynie verhindert werden.

Unter einer Allodynie versteht man eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit. Der Schmerz wird schon durch geringfügige, physiologische Reize ausgelöst, die bei einem normalen, gesunden Menschen keinen Schmerz verursachen würden.

In diesem Fall sind häufig weite Teile der Kopfhaut schmerzempfindlich und reagieren auf Druck und Berührungen. Triptane erweisen sich gegen eine Allodynie als wirkungslos, deshalb sollte dafür gesorgt werden, dass das Triptan bereits wirkt, bevor eine Allodynie überhaupt entstehen kann.


Wiederkehrkopfschmerz


Unter "Wiederkehrkopfschmerzen" versteht man das erneute Auftreten von Migränesymptomen, nachdem eine Attacke zunächst erfolgreich mit einem Schmerzmittel, z. B. einem Triptan, behandelt wurde. Das liegt daran, dass Schmerzmittel nach der Einnahme mehr oder weniger schnell im Körper abgebaut werden und damit nur eine begrenzte Wirkzeit haben. Die Halbwertszeit eines Medikaments gibt die Dauer an, bis ein Medikament bereits zur Hälfte im Körper abgebaut ist.

Die folgende Tabelle zeigt die Halbwertszeiten der am Markt verfügbaren Triptane. Hieraus ergibt sich u. a. die deutlich höhrere Halbwertszeit von Allegro gegenüber anderen Triptanen.

Halbwertszeiten Triptane 
Wirkstoff Markennamen Halbwertszeiten 
Almotriptan Almogran, Dolortriptan 3 - 4 Stunden 
Eletriptan Relpax 4 - 5 Stunden 
Frovatriptan Allegro (D), Eumitan (A), Frovamig (A), Menamig (CH) 26 Stunden 
Naratriptan Naramig, Antimigrin (A), Formigran, Generika 6 Stunden 
Rizatriptan Maxalt, Maxalt lingua 2 - 3 Stunden 
Sumatriptan Imigran, Generika 2 Stunden 
Zolmitriptan Ascotop 3 Stunden 


Immer dann, wenn ein Betroffener unter Attacken leidet, die unbehandelt länger als die Wirkzeit des eingenommenen Triptans andauern, kann es zu dem Phänomen des Wiederkehrkopfschmerzes kommen. Vor allem Betroffene, die unter Attacken leiden, die unbehandelt länger als 1 Tag anhalten würden (typisch z. B. bei menstruationsbezogener Migräne), sind mit diesem Problem konfrontiert.

Prinzipiell gilt die Regel: Wenn es zum Auftreten von Wiederkopfschmerzen kommt, darf der Betroffene noch einmal innerhalb von 24 Stunden ein Triptan nachnehmen und das - falls erforderlich - auch an 3 aufeinanderfolgenden Tagen.

Ein Wiederkehrkopfschmerz tritt bei rund 30% aller mit Triptanen behandelten Attacken auf. Es handelt sich also nicht um eine Komplikation, sondern einen normalen Vorgang: Das Triptan ist nach einer gewissen Zeit verbraucht und eine erneute Einnahme eines Triptans kann dann wieder zu einer Besserung führen.

Sollte der Schmerz trotzdem ständig wiederkehren, dann wäre eine Lösung, ständig ein Triptan einzunehmen. Das geht aber auf keinem Fall: Das Gehirn merkt sich dies nämlich und erhöht automatisch vorsorglich die Freisetzung von Nervenbotenstoffen, die normalerweise von den Triptanen blockiert werden. Wird dann am nächsten Tag das Medikament nicht eingenommen, dann hat das Gehirn zuviele dieser Stoffe freigesetzt und es tut spontan weh, ganz ähnlich, als ob man Migräne hätte. Die meisten Betroffenen sind in einer solchen Situation geneigt, sofort wieder ein Triptan einzunehmen und so geht es munter weiter. Dieser Vorgang kann nun nicht mehr als normal bezeichnet werden, sondern ist eine Komplikation der Migränetherapie mit der Bezeichnung: "Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz" bzw. MÜK.

Da es, wie die obige Tabelle zeigt, hinsichtlich der Wirkdauer der Triptane Unterschiede gibt, kann es Sinn machen, bei zu erwartenden langen Attacken ein Triptan mit langer Wirkungsdauer einzunehmen. Dazu zählen insbesondere: Allegro, Relpax, Naramig, und Almogran.

Außerdem kann durch die kombinierte Einnahme eines (langwirksamen) Triptans mit einem langwirksamen Schmerzmittel das Risiko eines Wiederkopfschmerzes minimiert werden. Dabei fängt das Schmerzmittel quasi den Wiederkehrkopfschmerz auf, wenn das Triptan abgebaut ist und zu wirken aufhört. Selbst bei Betroffenen, bei denen die Migräneattacken primär nicht auf herkömmliche Schmerzmittel (wie nichtsteroidale Antiphlogistika, d. h. NSAIDs) ansprechen, kann dies funktionieren, da bei dieser Vorgehensweise das Schmerzmittel ja schon im Blut ist, bevor der Schmerz wieder kommt. Eine typische wirkungsvolle Vorgehensweise ist z. B., das Triptan mit 500mg Naproxen zu kombinieren. Dabei sollte die Einnahme von Naproxen gleichzeitig mit dem Triptan erfolgen.

In schweren Fällen und bei täglichem Wiederkehrkopfschmerz über eine längere Zeit wird manchmal auch eine Behandlung mit Corticosteroiden (z. B. Prednison, Prednisolon) versucht. Häufig erfolgt dabei eine initiale Dosis intranenös (z. B. 60 - 100 mg Prednisolon). Sollte dies noch nicht ausreichen, kann eine Kurzzeitprophylaxe mit Prednison oder Prednisolon versucht werden. Diese Vorgehensweise besteht in der initialen Gabe von 100 mg Prednison oder Prednisolon in 2 über den Tag verteilten Dosen. Diese Dosierung wird für 3 Tage aufrechterhalten. Am 4. Tag erfolgt eine Dosisreduktion zunächst unter Einschränkung der am Abend eingenommenen Dosis um 10 mg. Oft sind bereits initial nach dem 1. bis 5. Tag eine deutliche Reduktion oder sogar eine komplette Remission der Attacken zu beobachten Jeden weiteren 4. Tag wird dann um zusätzliche 10 mg reduziert. Diese Reduktion wird so lange vorgenommen, bis man bei 0 mg angekommen ist. Prinzipiell sollte die Prednison/Prednisolongabe nach den Mahlzeiten, vornehmlich nach dem Frühstück erfolgen. Aufgrund von Langzeitnebenwirkungen können Kortikosteroide nur über eine begrenzte Zeit und in Sonderfällen eingesetzt werden.


Verfügbare Triptane


Zur Zeit sind die folgenden Triptane auf dem Markt:

Verschreibbare Triptane 
Wirkstoff Markennamen Hersteller Dosierung (Tablette) Darreichungen 
Almotriptan Almogran, Dolortriptan Almirall 12,5mg Tablette 
Eletriptan Relpax Pfizer 80/40/20mg Filmtablette 
Frovatriptan Allegro (D), Eumitan (A), Frovamig (A), Menamig (CH) Berlin Chemie 2,5mg Tablette 
Naratriptan Naramig, Antimigrin (A), Formigran, Generika Schwarz Pharma 2,5mg Tablette 
Rizatriptan Maxalt, Maxalt lingua MSD Sharp & Dohme 10/5mg Tablette, Sublingualtabletten 
Sumatriptan Imigran, Generika GlaxoSmithKline Pharma 100/50mg Filmtablette, Zäpfchen, Nasenspray, Injektor 
Zolmitriptan Ascotop AstraZeneca 5/2,5mg Tablette (Film/Schmelz), Nasenspray 

Nicht alle Triptane wirken bei jedem gleich, so dass oft verschiedene Präparate ausprobiert werden müssen, bis das geeignete Medikament gefunden worden ist. Außerdem sind manche Patienten dazu gezwungen, das Präparat nach einiger Zeit zu wechseln, weil es nicht mehr so wirkt wie in der Anfangszeit. Nach einer Weile kann dann manchmal wieder zum Ausgangsmedikament zurückgewechselt werden.

Ausführlich werden die unterschiedlichen Wirkungen, Eigenschaften und Darreichungen der Triptane auf Wikipedia beschrieben:



Ergotamine (Mutterkornextrakte)


Vor der allgemeinen Verbreitung der Triptane wurden akute Migräneattacken in erster Line mit Mutterkornextrakten (Ergotaminen) behandelt. Allerdings haben die meisten Ergotamine seit 01.07.2003 ihre Verkehrsfähigkeit in Deutschland verloren, da sie in dem Ruf stehen, bei häufigem Gebrauch einen Medikamentenkopfschmerz auszulösen. Bei Mutterkornextrakten handelt es sich strenggenommen um Drogen, zumal die Droge LSD ebenfalls aus Mutterkorn extrahiert wird.

Trotzdem gibt es nachwievor eine Reihe von Migränebetroffenen, bei denen Triptane nicht wirken, dafür aber Ergotamine.

Ergotamine wurden sowohl in Tablettenform als auch als Zäpfchen angeboten. Sehr häufig wurde der Mutterkornextrakt dabei mit weiteren Wirkstoffen kombiniert.

Ein bekanntes Produkt war Avamigran. Ein Zäpfchen Avamigran enthielt die folgenden Wirkstoffe:

  • 1,50 mg Ergotamintartrat
  • 40 mg Mecloxamindihydrogencitrat
  • 100 mg Camylofindihydrochlorid
  • 160 mg Coffein
  • 300 mg Propyphenazon

Zahlreiche Apotheken sind bereit, entsprechende Tabletten oder Zäpfchen gegen Vorlage eines Rezepts selbst herzustellen. 

Allgemein wird empfohlen beim Wechsel zwischen Triptanen und Ergotaminen einen Abstand von wenigstens 24 Stunden einzuhalten, bei einem Wechsel von einem Triptan mit sehr langer Halbwertszeit (Frovatriptan) ggf. sogar deutlich mehr.



Weitere Medikamente


Neben den Triptanen und Ergotaminen können weitere Medikamente wirksam sein. Zu nennen sind insbesondere Analgetika und nicht-steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen, Paracetamol, Naproxen oder Diclofenac (siehe dazu die Ausführungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft DMKG).

COX-2-Hemmer spielen - sofern sie nicht ohnehin vom Markt genommen worden - in der Migränebehandlung heute praktisch keine Rolle mehr.

In Studien soll eine Wirksamkeit von Capsain-haltigen Nasensprays bei bestimmten Migränearten belegt worden sein.

Desweiteren gibt es vielversprechende Versuche mit Lidocain-haltigen Nasensprays (intranasales Lidocain), die bereits bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen mit Erfolg angewendet werden. Lidocain ist ein in der Medizin häufig eingesetztes örtliches Betäubungsmittel. Es ist aus dem Cocain abgewandelt, besitzt aber nicht die suchterzeugende Wirkung.

In vielen Fällen sind weitere Medikamente gegen Übelkeit und zur Anregung der Magentätigkeit hilfreich, u. a. damit die Wirkstoffe der Schmerzmittel besser und schneller aufgenommen werden können.



Allgemeine Empfehlungen


Im Internet sind diverse Empfehlungen der offiziellen Organe zur Selbstmedikamentation und ärztlichen Verordnung nachlesbar.

Aufzuführen sind insbesondere:

Die Empfehlungen der DMKG zur Selbstmedikamentation kommen u. a. zu dem Ergebnis, dass Medikamente mit einer Zusammensetzung wie Thomapyrin 1. Wahl sind. Es muss allerdings dazu gesagt werden, dass das wohl nur für schwächere Migräneanfälle und bei sehr rascher Einnahme gilt.


Selektive Aura-Behandlung


Spezifische Methoden oder Medikamente zur Behandlung oder Verkürzung einer Migräneaura existieren nicht. In einigen Empfehlungen/Leitlinien war allerdings gelegentlich zu lesen zu lesen: "Die Erfahrung zeigt, dass Cinnarizin die Aura verkürzen kann."

Ansonsten gilt nach wie vor die Einschränkung, dass Triptane aus Sicherheitsgründen erst nach Abklingen der Aura-Phase eingenommen werden sollten.


Notaufnahmen


Bei Notaufnahmen in Krankenhäusern liegen häufig ein Status migraenosus, ein migranöser Infarkt oder andere Komplikationen vor, bei welchem die direkte Applikation von Triptanen oder Ergotaminen nicht angeraten ist, weswegen andere Behandlungsprozeduren zum Einsatz kommen müssen. Ein Mittel der ersten Wahl ist Aspisol intranvenös (d. h. eine Form des Aspirins).

Eine andere Behandlungsprozedur wird z. B. in der folgenden Arbeit beschrieben:

  • Backonja M, Beinlich B, Dulli D, Schutta HS: Haloperidol and lorazepam for the treatment of nausea and vomiting associated with the treatment of intractable migraine headaches. Arch Neurol 1989; 46: 724


Lorazepam scheint dabei insbesondere zur Beruhigung und Weitung der Gefäße eingesetzt zu werden, hat also einen behandlungsvorbereitenden Charakter. Möglicherweise kann das Medikament darüberhinaus aber generell positive Effekte bei einer frühzeitigen Anwendung während der Migräneaura haben.

Zum Abschluss wird dann Dihydroergotamin (DHE: ein Ergotamin-Präparat) intravenös (IV) verabreicht.

In schweren Fällen wird - ähnlich wie bei schweren Fällen von Wiederkehrkopfschmerz - manchmal auch eine Behandlung mit Corticosteroiden (z. B. Prednison, Prednisolon) versucht. Häufig erfolgt dabei eine initiale Dosis intranenös (z. B. 60 - 100 mg Prednisolon). Sollte dies noch nicht ausreichen, kann eine Kurzzeitprophylaxe mit Prednison oder Prednisolon versucht werden. Diese Vorgehensweise besteht in der initialen Gabe von 100 mg Prednison oder Prednisolon in 2 über den Tag verteilten Dosen. Diese Dosierung wird für 3 Tage aufrechterhalten. Am 4. Tag erfolgt eine Dosisreduktion zunächst unter Einschränkung der am Abend eingenommenen Dosis um 10 mg. Oft sind bereits initial nach dem 1. bis 5. Tag eine deutliche Reduktion oder sogar eine komplette Remission der Attacken zu beobachten Jeden weiteren 4. Tag wird dann um zusätzliche 10 mg reduziert. Diese Reduktion wird so lange vorgenommen, bis man bei 0 mg angekommen ist. Prinzipiell sollte die Prednison/Prednisolongabe nach den Mahlzeiten, vornehmlich nach dem Frühstück erfolgen. Aufgrund von Langzeitnebenwirkungen können Kortikosteroide nur über eine begrenzte Zeit und in Sonderfällen eingesetzt werden.



Empfehlungen für Kinder


Für Kinder existieren separate Empfehlungen, die in vielen Punkten von den Empfehlungen für Erwachsene abweichen. Insbesondere sind eine ganze Reihe von Medikamenten für Kinder nicht zugelassen.

Zu erwähnen sind insbesondere:

Die Empfehlungen der DGSS erwähnen, dass Imigran Nasal für Kinder ab 6 Jahren geeignet ist.

Zusätzlich zu den obigen Dokumenten kann auch ein Elternexemplar eines Schmerzfragebogens für Kinder und Jugendliche heruntergeladen werden.


Empfehlungen für Schwangere und Stillende


Für Schwangere und Stillende gelten gleichfalls eigenständige Empfehlungen, da zum Schutz des Fötus/Kindes viele Medikamente nicht mehr in Frage kommen bzw. keine ausreichend sicheren Aussagen darüber gemacht werden können.

Im Internet sind u. a. die folgenden Empfehlungen nachlesbar:

Die Empfehlungen der DMKG kommen zu dem folgenden Ergebnis:

"Substanz der ersten Wahl zur Akuttherapie in der Schwangerschaft ist Paracetamol, NSAR können nur im mittleren Trimenon eingenommen werden. In der Stillzeit ist Ibuprofen unbedenklich. In der medikamentösen Prophylaxe von Migräne und anderen Kopfschmerzen können Metoprolol und Amitriptylin am besten eingesetzt werden."

Prof. Hans-Christoph Diener schreibt in "Migräne - Taschenatlas spezial" bzgl. der Aktubehandlung in der Schwangerschaft davon leicht abweichend: "Erlaubt sind nur Paracetamol, ASS (nur 3. - 6. Monat)...". 

Demgegenüber warnt die Schmerzklinik Kiel aktuell vor der Verwendung von Paracetamol zur Schmerzbehandlung während der Schwangerschaft, und zwar aus den folgenden Gründen:

"Die Einnahme von Paracetamol durch die Schwangere und Kontakt des Ungeboren mit dem Arzneimittel scheint später bei den Kindern zu einem bedeutsam erhöhten Risiko für die Entwicklung von Asthma und Atemwegserkrankungen sowie möglicher Unfruchtbarkeit bei Jungen zu führen."

Ibuprofen geht nur zu einem geringen Maß in die Muttermilch über. Gleichzeitig hat es eine geringe Halbwertszeit. Die meisten Quellen im Internet halten (wie die DMKG) Ibuprofen für Stillende für unbedenklich, andere nur dann, wenn

  • nur übliche Mengen eingenommen werden,
  • die Dosis gleich nach dem Stillen eingenommen wird,
  • danach eine Stillpause von 3 Stunden eingelegt wird.

Die Triptane gehen nachweislich in die Muttermilch über. Aufgrund der häufig geringen Bioverfügbarkeit bei oraler Gabe ist die Menge aber in der Regel gering. Außer für Sumatriptan (Imigran©) liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Erfahrungen mit Sumatriptan können nicht unbedingt auf die anderen Triptane übertragen werden, da diese in aller Regel eine höhere Halbwertszeit haben. Allgemein wird empfohlen, nach Sumatriptaneinnahme die Muttermilch für 8 Stunden zu verwerfen. Andere Quellen behaupten dagegen, dass bei einer Dosis von 20mg Sumatriptan (Nasenspray) direkt nach dem Stillen keine Stillpause eingelegt werden muss.

In einem Dokument der US National Headache Foundation ist zu lesen, dass sowohl die Migräne selbst als auch die dagegen eingenommenen Medikamente ein Risiko für das ungeborene Kind darstellen können.


 




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