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Kopfschmerzzentrum in Essen öffnet seine Tore [Allgemein]
27 Jan 05

Bundesweit erstes Behandlungsmodell zur Integrierten Versorgung von Patienten mit chronischen Kopfschmerzen und Migräne mit der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH)

Obwohl Kopfschmerzen ein Volksleiden sind - immerhin jeder zehnte Bundesbürger leidet unter Migräne - gibt es kaum Experten, die sich mit der Behandlung dieser Krankheit befassen. Weil es sich schlichtweg finanziell nicht lohnt - gerade 44 Euro gibt´s pro Patient.

Professor Hans-Christoph Diener ist einer, der sich trotzdem der Kopfschmerztherapie verschrieben hat. "Für uns wird jetzt eine Traum wahr, den wir seit 15 Jahren hegen", sagte der Experte gestern bei der Vorstellung des "Westdeutschen Kopfschmerzzentrum".

Am Essener Universitätsklinikum nimmt am 1. Februar das Westdeutsche Kopfschmerzzentrum seine Arbeit auf. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) und die Klinik für Neurologie entwickelten damit bundesweit das erste Behandlungsmodell zur Integrierten Versorgung bei Migräne und chronischen Kopfschmerzen.

Kopfschmerzen zählen zu den großen Volksleiden: Rund acht Millionen Menschen leiden unter chronischen Kopfschmerzen wie Migräne und Spannungskopfschmerzen. Allein durch starke Migräneattacken gehen jährlich eine Million Arbeitstage verloren. Für die Betroffenen gibt es keine ausreichende ambulante und stationäre medizinische Versorgung in Deutschland. "Wir haben daher mit der Kaufmännischen Krankenkasse KKH ein interdisziplinäres und sektorübergreifendes Behandlungsmodell entwickelt, das im Rahmen der Integrierten Versorgung die Behandlung von Kopfschmerzpatienten sichert", erläutert Reinhold Keil, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikum Essen.

"Das Behandlungsmodell ist auf Grundlage des Paragraphen 140a Sozialgesetzbuch V das erste Integrierte Versorgungsmodell für chronische Kopfschmerzen und Migräne bundesweit", erklärt Ingo Kailuweit, Vorstandsvorsitzender der KKH. Integrierte Versorgung bedeutet, dass alle an der Behandlung Beteiligten, Patient - Arzt - Krankenhaus - Therapeut, ein gemeinsames Ziel verfolgen. "So ist eine qualitätsgesicherte und nachweislich wirksame Therapie für die Patienten garantiert. Wir haben für dieses Modellprojekt mit Prof. Hans-Christoph Diener einen bundesweit anerkannten Experten auf dem Gebiet der Migräne und Kopfschmerzen gewonnen", ergänzt Ingo Kailuweit. Der Chef der viertgrößten Ersatzkasse Deutschlands unterstreicht, dass dieses Kooperationsmodell ein wichtiger Meilenstein zu einer stärker an der Qualität ausgerichteten Versorgung ist.

Allein 256 verschiedene Arten von Kopfschmerz gibt es: Bei Kopfschmerz- und Migräneattacken laufen die Betroffenen daher häufig von Arzt zu Arzt - oft ohne Erfolg. Erfahrung mit der Behandlung von chronischen Kopfschmerzen sammeln Neurologen am Universitätsklinikum Essen bereits seit vielen Jahren. An der Klinik für Neurologie ist das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie finanzierte Deutsche Kopfschmerzkonsortium angesiedelt - ein Forschungsverbund von acht Universitätskliniken im Bereich Kopfschmerz. Die Kopfschmerzambulanz betreut jährlich 2.500 neue Patienten. "Die Betreuung und Behandlung dieser Patienten verbessert sich ab Februar 2005 spürbar. Neurologen, Psychologen, Psychosomatiker und Physiotherapeuten am Westdeutschen Kopfschmerzzentrum bieten jetzt zusammen mit niedergelassenen Neurologen und Schmerztherapeuten eine Behandlung aus einem Guss an", so Prof. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie.

Was nun sind die Besonderheiten des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums? "Die Leistungen reichen von ambulanter Diagnostik über mehrtägige tagesklinische Behandlung bis hin zu stationärer Betreuung", erklärt Astrid Gendolla, Oberärztin am Westdeutschen Kopfschmerzzentrum. Tagesklinische Behandlung bedeutet, dass die Betroffenen morgens ins Zentrum kommen und am späten Nachmittag wieder nach Hause gehen. Patienten mit Kopfschmerzen von fünf Tagen pro Monat erhalten eine Schulung über die Ursachen der Erkrankung und bekommen geeignete verhaltenspsychologische und physiotherapeutische Bewältigungsstrategien vermittelt. Nicht zuletzt leiten die Mitarbeiter des Kopfschmerzzentrums eine medikamentöse Therapie ein. Die ambulante Weiterbehandlung übernimmt ein am Modell teilnehmender niedergelassener Neurologe. Betroffene mit Kopfschmerzen bis zu fünfzehn Tagen im Monat erhalten im Zentrum eine mehrtägige ausführliche medizinische und psychologische Betreuung und Beratung. Eine Nachuntersuchung nach drei Monaten folgt. Patienten, die noch häufiger unter der Erkrankung leiden, benötigen hingegen einen fünftägigen tagesklinischen Aufenthalt. Neben einer Schulung über Ursachen der Erkrankung kriegen sie beispielsweise eine individuelle medikamentöse Therapie, verhaltenspsychologische Behandlung, Physiotherapie und Beratung zur nichtmedikamentösen Vorbeugung von Kopfschmerzen.

Das Zentrum beabsichtigt mit 20 niedergelassenen Neurologen und Schmerztherapeuten in Nordrhein-Westfalen zusammen zu arbeiten. Sie müssen besonders qualifiziert sein in der Behandlung von Schmerzpatienten, jährlich mindestens 100 Kopfschmerzpatienten behandeln und regelmäßig Fortbildungen zum Thema besuchen. Die niedergelassenen Mediziner betreuen die im Kopfschmerzzentrum untersuchten und behandelten Patienten weiter. Die Therapie durch die Mitarbeiter des Kopfschmerzzentrums und der niedergelassenen Neurologen endet, wenn die Betroffenen nur noch drei- oder viermal im Monat Schmerzen haben. Dann führt der Hausarzt die Betreuung fort.

Die Verbesserungen durch das neue Modell sind enorm. Der Patienten bekommen kurzfristig einen Termin und erhalten eine medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapie unter einem Dach. Unnötige Doppeluntersuchungen bei verschiedenen Ärzten entfallen. Behandlungsqualität auf höchstem Niveau garantiert auch eine Medikamentenliste. Neben einer werktäglichen Telefonsprechstunde erhalten die Betroffenen umfangreiche Schulungs- und Informationsunterlagen. Und noch eine Besonderheit: Bereits vom ersten telefonischen Kontakt bis zum Beginn der Behandlung führen die Patienten ein Kopfschmerztagebuch. Noch können nicht alle Krankenversicherte das Angebot des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums nutzen: In diesem Jahr ausschließlich Versicherte der Kaufmännischen Krankenkasse und Privat-Patienten.

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Ein wenig hört sich die Vorgehensweise nach der Methode "viel bewirkt viel" an. Da einige der maßgeblichen Personen dieses Behandlungsmodells der Auffassung sind, dass Migräne eine unheilbare, genetisch bedingte Erkrankung ist, die nur wenig mit dem Lebensstil (z. B. Ernährung) des Betroffenen zu tun hat, dürfte speziell bei Migräne vor allem eine reichliche medikamentöse Behandlung im Vordergrund stehen.



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