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Weniger Arm- und Beinfrakturen mit Vitamin D bei älteren Frauen [Ernährung]
31 Okt 05

Schwankneigung des Körpers und Sturzrate werden verringert

Viele alte Menschen, besonders Frauen, haben einen Vitamin-D-Mangel. Das erhöht das Sturz- und somit das Frakturrisiko. Dagegen läßt sich etwas tun: "So etwas Banales wie Vitamin D reduziert das Risiko für Frakturen um die Hälfte", sagt Professor Helmut Minne aus Bad Pyrmont.

Das hat eine Studie ergeben, die der Experte im Landkreis Pyrmont gemacht hat. An der Untersuchung nahmen 150 ältere Frauen teil, die Minnes in Zeitungen veröffentlichtem Aufruf zur Teilnahme gefolgt waren. Alle Frauen fühlten sich gesund und hatten keine Osteoporose.

Aber 95 Prozent hatten zu niedrige Vitamin-D-Spiegel und erhöhte Parathormon-Werte. Schon seit längerem gibt es Hinweise darauf, daß ein Vitamin-D-Mangel die Muskulatur schwächt und dadurch das Sturz- und Frakturrisiko erhöht.

Die Studienteilnehmerinnen nahmen daher drei Monate lang täglich entweder eine Kombination aus 1200 mg Kalzium und 800 Einheiten Vitamin D oder nur Kalzium ein.

Die Bilanz nach einem Jahr: Bei den Frauen mit der Kombitherapie war die Frakturrate nur halb so groß wie mit der Kalzium-Monotherapie. Besonders stark geschützt waren Frauen, die Kalzium und Vitamin D erhielten, vor Frakturen von Speiche oder Elle.

Den direkten Einfluß von Vitamin D auf Muskulatur und Sturzrisiko hat Minne in einer doppelblinden Studie untersucht. Dafür meldeten sich 148 Frauen über 70 Jahren - das mittlere Alter betrug 83 Jahre. Auch von diesen hatten nur fünf Prozent einen ausreichend hohen Vitamin-D-Spiegel. Die Frauen wurden ebenso behandelt wie in der ersten Studie.

Die Muskelfunktion wurde anhand der Körperschwankung beim Vorwärts- und Rückwärts-Gehen beurteilt. Dies könne als Parameter für das Sturzrisiko herangezogen werden, sagte Minne bei einer von MSD unterstützten Veranstaltung. Das Ergebnis: Kalzium alleine hatte kaum einen Effekt auf die Schwankneigung des Körpers. Mit Kalzium plus Vitamin D dagegen hatte sich die Schwankung signifikant verringert.

In dieser Gruppe stürzte nur jede vierte Frau, in der Kalzium-Monotherapie-Gruppe jede zweite. Auch die Sturzzahl pro Teilnehmerin war mit Kalzium plus Vitamin D nur halb so groß. Minnes Fazit: "Vitamin D verhindert Frakturen also indirekt, indem es Stürze verhindert."

Weitere Infos finden sich in der Ärzte-Zeitung.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Der Artikel weist auf einen allgemeinen Vitamin-D-Mangel in dieser Altersgruppe hin. Dieser darf jedoch nicht verwundern, wenn sich bis in die Altersheime verstärkt angeblich gesunde und ausgewogene Diäten mit wenig tierischen Fetten durchgesetzt haben. Solche Diäten enthalten üblicherweise so gut wie kein Vitamin-D.

Es war schon nach dem Krieg bekannt, dass Vitamin-D für die Knochenbildung viel wichtiger als die aktuelle Calcium-Zufuhr ist. Kinder werden mit verschiedenen Ernährungsweisen groß, bei einem Vitamin-D-Mangel kommt es aber fast zwangsläufig zur gefürchteten Rachitis. Die Sonneneinstrahlung scheint dabei in Deutschland nicht immer zu genügen, das hat sie auch nach dem 2. Weltkrieg nicht, als Kinder üblicherweise noch seltener vor dem Fernseher und noch mehr auf dem Bolzplatz vorzufinden waren.

Dennoch schreibt die Ärzte-Zeitung abschließend: "Übrigens: Das Risiko für Vitamin-D-Mangel ist nicht nur in den Wintermonaten erhöht. Auch während des Sommers kann es durch übertriebenen Sonnenschutz zu einem solchen Mangel kommen." Die Vorstellung, dass man die Vitamin-D-Versorgung allein durch tierische Produkte sichern kann, scheint mittlerweile so absurd zu sein, dass sie erst gar nicht mehr in Betracht gezogen wird.

Die dargestellte verringerte Sturzhäufigkeit ist interessant, allerdings bestehen doch Fragen bzgl. der Interpretation der Resultate. Bei Kindern kommt es bei Vitamin-D-Mangel direkt zu einer Schwächung der Knochen. Es dürfte verwundern, wenn das bei alten Menschen anders wäre. Der Satz "Vitamin D verhindert Frakturen also indirekt, indem es Stürze verhindert" ist bzgl. der Knochenentwicklung bei Kindern jedenfalls nicht richtig.

Darüberhinaus fragt es sich, ob die Stärkung der Muskulatur allein für die beobachtete geringere Sturzhäufigkeit verantwortlich gemacht werden kann. Es ist denkbar, dass auch Verbesserungen der Nervenfunktionen hierbei eine Rolle spielen.

Studien wollen z. B. eine deutliche Verringerung des Multiple-Sklerose-Risikos durch Vitamin-D ermittelt haben. Und auch bei Migräne gibt es Aussagen, dass Vitamin-D-Gaben zu einer Verbesserung der Symptomatik führen können. Ein solcher Zusammenhang wurde auch bei PMS festgestellt. Aus diesem Grund könnten gerade Frauen mit menstrueller Migräne von zusätzlichem Vitamin-D (oder einer Vitamin-D-reichen Ernährung) profitieren.



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