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DMKG: Neue Leitlinie zur Behandlung der Migräne [Allgemein]
25 Nov 05

Psychologisch-verhaltensmedizinische Verfahren sollen ebenso wirksam sein wie medikamentöse Strategien

Die neue Leitlinie zur Migränetherapie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft gibt auf der Grundlage neuer Erkenntnisse wichtige Hinweise zum Einsatz der Triptane genannten Migränemitteln. Einige Analgetika wurden neu bewertet und die Liste der Medikamente zur Migräneprophylaxe ergänzt. Erstmals bescheinigen die Experten psychologisch-verhaltensmedizinischen Verfahren, dass diese in der Migräneprophylaxe ebenso wirksam sind wie medikamentöse Strategien. Darum empfehlen die Spezialisten Patienten mit häufigen Attacken eine solche Behandlung – alleine oder in Kombination mit Medikamenten.

In der Akuttherapie der Migräne sind die Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan) die Substanzen mit der besten Wirksamkeit. In ihrer neuen Leitlinie betonen die DMKG-Experten, dass die Triptane wirksamer sind, wenn sie zu Beginn einer Migräneattacke eingenommen werden, solange der Kopfschmerz noch leicht oder mittelschwer ist. Diese Empfehlung gilt jedoch nur für Patienten, die Migräne- von Spannungskopfschmerzen unterscheiden können, da Triptane ausschließlich bei Migränekopfschmerz wirken. Ebenso kann die frühe Einnahme nur empfohlen werden, wenn die Zahl der Kopfschmerztage unter zehn pro Monat liegt. Geht den Migräneschmerzen eine Aura voraus, sollten die Patienten mit der Einnahme des Triptans warten, bis diese abgeklungen ist. Ist die erste Gabe eines Triptans bei einer Attacke nicht wirksam, ist eine zweite Gabe sinnlos.

Herzkreislauf-Erkrankungen wie Angina Pectoris oder Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte sind Kontraindikationen für Triptane.
Mutterkornalkaloide sind ebenfalls wirksam. Patienten, die ohne Nebenwirkungen und Dosissteigerungen mit Ergotamin gut auskommen, können diese Therapie an höchstens zehn Tage pro Monat beibehalten.

Bei leichten Attacken sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac-K und Paracetamol Analgetika der ersten Wahl. Die Kombination von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein ist wirksamer als die Kombination ohne Koffein und wirksamer als die Einzelsubstanzen. Das belegt eine neue Studie. Die meisten Patienten leiden während der Migräneattacke unter gastrointestinalen Symptomen. Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon bessern nicht nur die vegetativen Begleitsymptome, sondern regen die Magenperistaltik an, die zu Beginn der Migräneattacke zum Erliegen kommen kann. Dies führt zu einer besseren Resorption und Wirkung von Analgetika und Triptanen. Coxibe haben bei der Therapie der Migräneattacke eine ähnliche Wirksamkeit wie Ibuprofen oder Sumatriptan. Bisher ist jedoch keines der Coxibe zur Behandlung der Migräneattacke zugelassen. Angesichts der Diskussion um vaskuläre Risiken, können sie zur Behandlung von Migräneattacken gegenwärtig nicht empfohlen werden.

Auf Grenzen achten

Um einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu verhindern, sollten Kopfschmerzpatienten grundsätzlich Schmerz- und Migränemittel höchstens an 10 Tagen pro Monat und maximal drei Tage hintereinander einnehmen. Vorbeugen ist wichtig. Menschen, die mehr als dreimal pro Monat eine Migräneattacke aushalten müssen oder deren Attacken länger als 72 Stunden dauern oder die schlecht auf eine medikamentöse Akuttherapie ansprechen, können durch vorbeugende Maßnahmen die Häufigkeit der Schmerzanfälle deutlich senken. "Hier stehen alternativ zur medikamentösen Prophylaxe psychologische Verfahren zur Verfügung, die ebenso wirksam sind", sagt Professor Stefan Evers von der Universität Münster, Präsident der DMKG. Die Autoren der neuen Leitlinie empfehlen verhaltenstherapeutische Strategien wie Biofeedback, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson und das kognitive Schmerzbewältigungstraining.

Medikamentöse Prophylaxe

Falls diese Strategien nicht zum gewünschten Erfolg führen, steht eine ganze Palette von Arzneien zur medikamentösen Vorbeugung bereit. Die Experten empfehlen die Betablocker Propranolol und Metoprolol, den Kalziumantagonisten Flunarizin sowie Valproinsäure und das unlängst zugelassene Topiramat. Valproinsäure ist für diese Indikation nicht zugelassen, kann jedoch im Rahmen des so genannten „off-label-use“ eingesetzt werden.
Mittel der zweiten Wahl sind der Betablocker Bisoprolol, das nicht-steroidale Antirheumatikum Naproxen, Pestwurz, Acetylsalicylsäure, Mutterkraut und, besonders bei gleichzeitig vorhandenem Spannungskopfschmerz oder Depressionen, das Antidepressivum Amitriptylin.

Die Wirksamkeit von Magnesium ist umstritten. Das Nervengift Botulinumtoxin befindet sich noch in der wissenschaftlichen Prüfung. Tritt die Migräne in Abhängigkeit des Mensturationszyklus auf, haben sich zur Prophylaxe die Mittel Naproxen, Östrogenpflaster, sowie Triptane bewährt.

Weitere Infos finden sich bei der DMKG.



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