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Inhaltsübersicht



Grundstein im Erbgut?

Migräne und Umweltfaktoren


Grundstein im Erbgut?


Es spricht vieles dafür, dass die Disposition, an Migräne zu erkranken, vererbbar ist. Die wesentlichen Resultate können in einer Zusammenfassung der DMKG nachgelesen werden.

Darin wird unter anderem für die häufigste Form der Migräne ausgeführt:

"Dies deutet auf den Einfluss genetischer und Umweltfaktoren in der Pathogenese der Migräne ohne Aura hin."

Eine Studie konnte zeigen, dass das Migräne-Risiko für Verwandte ersten Grades von Migränikern nicht nur generell erhöht ist (Faktor 1,88), sondern unter anderem von der Art, der Schwere und dem Eintrittsalter der Migräne abhängt (Stewart WF, Bigal ME, Kolodner K, Dowson A, Liberman JN, Lipton RB: Familial risk of migraine - Variation by proband age at onset and headache severity, Neurology 2006;66:344-348). Generell ist das Risiko noch einmal erhöht bei

  • Migräne mit Aura,
  • einem frühen Eintrittsalter der Migräne,
  • sehr hohen Schmerzpegeln.

Zum Thema Erbkrankheit führt Wikipedia aus:

"Unter dem Oberbegriff Erbkrankheit werden allgemein solche Erkrankungen und Besonderheiten zusammengefasst, die durch untypisch veränderte Erbanlagen ausgelöst werden oder zu bestimmten Erkrankungsdispositionen führen.

Im engeren Sinne zählt man jedoch nur jene Erkrankungen und Besonderheiten zu den Erbkrankheiten, die durch von Anfang an untypisch veränderte Gene ausgelöst und durch Vererbung von den Vorfahren auf ihre Nachkommen übertragen werden."

Und weiter:

"Genetisch bedingte Disposition
Diverse Erkrankungen, Behinderungen und Besonderheiten sind nicht im Sinne einer klassischen Erbkrankheit erblich, sondern ihr Auftreten kann durch eine (mitunter familiäre) genetische Erkrankungsdisposition (Veranlagung, Anfälligkeit) bedingt sein."


In der darauf folgenden Liste wird auch die Migräne aufgeführt.

Es besteht deshalb ein allgemeiner Konsens, dass Migräne keine Erbkrankheit im engeren Sinne ist, sondern eine Erkrankung mit genetisch bedingter Disposition.

Dies gilt aber praktisch für jede chronische Erkrankung, egal ob es sich um Depressionen, Herzprobleme, Diabetes, Multiple Sklerose oder Rheuma handelt.

Für das eigentliche Geschehen rund um die Migräne und für Prophylaxemaßnahmen spielen migränespezifische erbliche Faktoren eine eher untergeordnete Rolle.

So schreibt denn etwa der Pharmakonzern Pfizer (Triptan Relpax) auf seiner Migräne-Online-Site:

"Migräne tritt zwar familiär gehäuft auf, der Erbgang ist aber unklar und die genetische Komponente darf nicht überschätzt werden. Eine Reihe von Genen und Chromosomen sind bei den verschiedenen Migräneformen bereits identifiziert. Kinder, deren Mutter an Migräne leidet, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, ebenfalls Migräne zu bekommen.

Nur für die extrem seltene Form der vererbbaren Migräne mit Halbseitenlähmung wurden bereits die Gene am Chromosom 19 und 1 als Auslöser erkannt."

Bei der dabei im letzten Satz erwähnten familiären hemiplegischen Migräne handelt es sich um eine extrem seltene Variante der Migräne, die dominant vererbt wird, und die – in Abweichung zu allen anderen Migräneformen – bei Frauen und Männern gleich häufig auftritt, was die genetischen Grundlagen dieser Migräneform deutlich herausstellt.

Häufig wird von Vertretern der Erb-Theorie die folgende Analogie verwendet:

  • Menschen mit dunkler Hautfarbe sind genetisch gegen Sonnenbrand geschützt.
  • Menschen mit weißer Hautfarbe können bei intensiver Sonneneinstrahlung leicht einen Sonnenbrand bekommen. Sie sind genetisch nicht gegen Sonnenbrand geschützt.
  • Menschen mit Migräne entsprechen bzgl. Sonneneinstrahlung (= Trigger) Menschen mit weißer Hautfarbe.

Leider wird dabei übersehen, dass auch schwarze Menschen keinen genetischen Schutz vor Sonnenbrand besitzen, sondern nur einen besseren Schutz. Auch dieser bessere Schutz würde nicht ausreichen, wenn die Ozon-Schicht der Erde zusammenbrechen und sich die Sonneneinstrahlung intensivieren würde. Es stellt sich deshalb zunächst einmal die Frage, gegen welche Belastungen der Mensch üblicherweise geschützt sein sollte (so dass Anpassungsstörungen als krankhaft angesehen werden können) und für welche eine Anpassung nicht notwendigerweise angenommen werden muss.

Trotz aller gegenläufigen Fakten behauptet die offizielle Migräne-Medizin immer nachhaltiger (und man könnte meinen: immer verzweifelter), dass es sich bei Migräne um eine Erbkrankheit handelt. Mal wollen Forschungsergebnisse die Migräne-Gene auf Chromosom 5 gefunden haben, mal will man eher auf Chromosom 1 fündig geworden sein.

Daneben wurden zahlreiche weitere Zusammenhänge entdeckt, selbst Abweichungen bei Insulin-Rezeptor-Genen konnten bereits ausgemacht werden (McCarthy LC et al., Single-nucleotide polymorphism alleles in the insulin receptor gene are associated with typical migraine, Genomics 2001 Dec;78(3):135-49). Oft stehen die Ankündigungen der Forschungsergebnisse in keinem Verhältnis zu ihrer Bedeutung.

Dabei wird in der Regel verschwiegen, dass man ähnliche Entdeckungen längst auch für Diabetes mellitus und zahlreiche andere Erkrankungen gemacht hat. Wie behutsam aber Gen-Forscher mit dem Thema Genetik bei Diabetes umgehen, kann man z. B. hier nachlesen.



Migräne und Umweltfaktoren


Verschiedene Studien zur Epidemiologie der Migräne konnten nachweisen, dass sich Migräne in den westlichen Industrieländern in den letzten 30 - 40 Jahren - ähnlich wie viele andere Zivilisationserkrankungen - deutlich ausgebreitet hat. Auch dies spricht dafür, dass spezifische erbliche Faktoren im Umfeld der Migräne eine eher untergeordnete Rolle spielen. Dies sieht allerdings anders aus, wenn es um genetische Anpassungen an bestimmte Rahmenbedingungen wie z. B. die Nahrungszusammensetzung oder hormonelle Kontrazeptiva geht.

So äußert sich etwa Stefan Evers bei FOCUS Online über Umweltfaktoren als Auslöser:

"Die Wissenschaftler beschäftigen sich auch mit der Frage, warum sich in den vergangenen 40 Jahren die Zahl migränekranker Kinder etwa verdreifacht hat. Stefan Evers von der Uniklinik Münster glaubt aber nicht, dass die Menge der Menschen mit einer Veranlagung für Migräne so dramatisch zugenommen hat. Vielmehr gäbe es mehr Auslöser der Krankheit: 'Kinder wie Erwachsene sind heute viel stärker den Faktoren ausgesetzt, die Migräne auslösen', sagt er. Also käme es häufiger zu den Kopfattacken.

Zu den Krankmachern gehörten beispielsweise Stress in der Familie, Leistungsdruck und Alkohol.
"

Dabei werden einige denkbare Einflussfaktoren wie z. B. der angeblich gestiegene Stress oder Leistungsdruck bei Schulkindern zu leichtfertig und ungeprüft genannt. Heutige Kinder wachsen häufig viel angstfreier auf als noch vor 50 Jahren. Die Angst vor Autoritätspersonen oder vor Strafe ist signifikant zurückgegangen. Körperliche Bestrafung ist in vielen Migränefamilien absolut unbekannt, das war noch vor wenigen Jahrzehnten anders. Auch gibt es viel weniger Tabuthemen (z. B. Fragen zur Sexualität).

Gestiegene Leistungsanforderungen in der Schule sind insbesondere in der Grundschule nicht erkennbar, internationale Vergleichsstudien wie PISA kommen darüber hinaus gleichfalls zu einem anderen Ergebnis.

Hartmut Göbel weist auf den Umstand hin, dass Migräne und Kopfschmerzen mit der Einschulung deutlich zunehmen (Göbel, Hartmut: Die Kopfschmerzen, 2003, Seite 351):

"Aus finnischen Studien ist bekannt, dass mit der Einschulung die Kopfschmerzprävalenz drastisch ansteigt."

Auf den ersten Blick könnte man hierfür den Schulstress verantwortlich machen, was Mediziner dann meist auch tun. Auf den zweiten Blick kann dies aber auch bedeuten, dass die betroffenen Kinder sich üblicherweise so ernähren, dass für sie ein längeres konzentriertes Arbeiten ohne zusätzliche Nahrungsaufnahme nicht oder nur schwer möglich ist, so dass sie sich dabei energetisch verausgaben und es in der Folge zu häufigen schweren energetischen zerebralen Mangelzuständen kommt. Denn auch heute noch sind die schulischen Anforderungen in der Grundschule üblicherweise kindgerecht, daran hat sich in den letzten 30 Jahren nicht viel geändert, es muss deshalb andere Gründe für das beschriebene Phänomen geben.


Von den wirklichen Veränderungen, wie der gerade bei Kindern ins Astronomische gestiegene Zucker-Konsum, wird dagegen leider nichts erwähnt, möglicherweise weil es sich hierbei um ein Tabuthema für Ernährungswissenschaftler und Mediziner handelt.



 




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