Das böse Fett.

 


Inhaltsübersicht

Auf dieser Seite werden die folgenden Themen behandelt:


"Wir essen zu viel, wir essen zu fett!"

Was sagt eigentlich der Volksmund dazu?

...und was folgt daraus?


"Wir essen zu viel, wir essen zu fett!"


Die Botschaft vom bösen Fett wurde von der Medizin, der Ernährungswissenschaft, der Lebensmittelindustrie, den Medien und schließlich den Bildungseinrichtungen jahrzehntelang in einer konzertierten Aktion verbreitet, so dass jetzt jedes Kind weiß, dass man Fett meiden sollte, will man nicht an Übergewicht oder späteren Herzerkrankungen leiden. Die Botschaft ist heute integraler Bestandteil der Standardlektüre für Medizinstudenten.

So schreiben zum Beispiel Horn et al. (Horn F, Moc I, Schneider N, Grillhösl C, Berghold S, Lindenmeier, G: Biochemie des Menschen - Das Lehrbuch für das Medizinstudium, Stuttgart, 3. Auflage, 2005, Seite 458):

"Eine 'gesunde Ernährung' soll durchschnittlich 60% Kohlenhydrate, 25% Fette und 15% Proteine enthalten."

Und bei Löffler und Petrides heißt es entsprechend (Löffler, Georg und Petrides, Petro E.: Biochemie und Pathobiochemie, 7. Auflage, 2003, Seite 688):

"Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollte die Fettzufuhr mit der Nahrung 30% der Energie nicht wesentlich übersteigen. Da tierisches Fett LDL Cholesterin anhebt, dessen Plasmakonzentration eng mit dem Auftreten der Arteriosklerose korreliert, sollten Pflanzenöle bevorzugt werden."

Die konzertierte Aktion der Fettgegner war so stark, dass kritische Stimmen wie Atkins oder Lutz geflissentlich ignoriert werden konnten, obwohl sie sehr gute Begründungen und praktische Belege für ihre Theorien ablieferten.

Das Ganze ging so weit, dass sich praktisch jeder dazu berufen sah, z. B. die Atkins-Diät als schädlich, ungesund oder wirkungslos abzutun, obwohl es keinerlei unabhängige Studien zum Thema gab. Dies änderte sich erst in den letzten Jahren, als offenkundig wurde, dass die US-Amerikaner immer weniger Fett mit der Nahrung aufnehmen, gleichzeitig statistisch aber immer dicker werden.

Mittlerweile häufen sich die Studienergebnisse, die bestätigen, dass die Atkins-Methode funktioniert und dass sich diese sogar positiv auf den Cholesterin-Spiegel auswirkt, obwohl mit dieser Ernährung üblicherweise sehr viel Cholesterin aufgenommen wird.

Trotzdem hat es die Ernährungswissenschaft bei dieser Auseinandersetzung verpasst, rechtzeitig für einen Ausgleich zwischen den verschiedenen konkurrierenden Theorien zu suchen und insbesondere Modelle zu entwickeln, die mit den verschiedenen Ansätzen vereinbar wären. Beispielsweise ist es ja durchaus denkbar, dass die Kombination kohlenhydratreich und gleichzeitig reich an tierischen Fetten zu ungünstigen gesundheitlichen Effekten führt – und dies wurde dann auch in tausenden entsprechenden Studien bestätigt, während auf der anderen Seite die Kombination kohlenhydratarm und gleichzeitig reich an tierischen Fetten günstige gesundheitliche Effekte hat, was aber nie ausreichend wissenschaftlich verifiziert wurde, da man auf Grund des angenommenen hohen zerebralen Glucosebedarfs dogmatisch von einer hohen Glucosezufuhr über die Nahrung ausging. Die verschiedenen konkurrierenden Ansätze könnten alle Recht bzw. ihre Berechtigung haben, allerdings jeweils unter verschiedenen Rahmenbedingungen und diese Rahmenbedingungen gilt es zu nennen – was leider unterblieb (siehe dazu auch die Diskussion des Themas in Abschnitt Adipositas und Fettstoffwechsel).


Was sagt eigentlich der Volksmund dazu?

Auch Ihnen sind sicherlich die folgenden Redewendungen bekannt:

absahnen (das Beste nehmen)
das ist alles erste Sahne (das ist erste Qualität, ist super)
ins Fettnäpfchen treten (in den Futternapf treten: kränken, beleidigen)
es geht um die Wurst (es geht ums Wesentliche)
Schwein gehabt (Glück gehabt)
das Gelbe vom Ei (das Beste)
macht den Braten nicht fett (hat keinen großen Einfluss)
Butter bei die Fische tun (zur Sache kommen)
weder Fisch noch Fleisch (langweilig, unbedeutend)
der Bock ist fett! (jetzt reicht es, es kann losgehen)
sich die Butter vom Brot nehmen lassen (einer wichtigen Sache beraubt werden)
das Fett abschöpfen (das Beste nehmen)
ran an den Speck! (los geht's)
Butter is the oil of the heart (Irische Weisheit)
What butter and whiskey will not cure there's no cure for (Irische Weisheit)

Oder ähnlich prägnant:

Ich komm mir vor, als wär ich in ein Butterfass gefallen. (Jack Lemon beim Anblick von Marilyn Monroe in "Manche mögen's heiß")
Ich krieg immer nur den Zipfel von der Wurst. (Marilyn Monroe in "Manche mögen's heiß")


...und was folgt daraus?


All das lässt eigentlich nur eine Interpretation zu: Es war - bevor uns die Lebensmittelindustrie mit all ihren süßen Verlockungen zuschüttete - längst allgemein bekannt, dass das Fett - und insbesondere dabei tierisches Fett - der wichtigste Nahrungsbestandteil ist.

Wie konnte es geschehen, dass wir uns in den letzten Jahrzehnten die Butter vom Brot haben nehmen lassen?