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Schwere Hypoglykämien bleiben ein großes Problem für Kinder und Jugendliche mit Typ 1-Diabetes [Allgemein]
21 Mär 05

Populationsbasierte Kohorte von Kindern mit Typ 1-Diabetes zeigt überraschende Ergebnisse

Um den Einfluss von Therapieänderungen auf die Inzidenz von schweren Hypoglykämien und deren Risikofaktoren bestimmen zu können, wurde eine große populationsbasierte Kohorte von Kindern mit Typ 1-Diabetes untersucht.

Die Kohorte bestand aus 1.335 Kindern ( Alter bei Studienbeginn 9,5 ± 4,3 Jahre [Mittelwert ± SD], Streubreite 0-18 ) und brachte insgesamt 6.928 Patienten-Jahre an Daten ein. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 4,7 ± 3,1Jahre ( Streubreite 0-10,7 ). Eine prospektive Erhebung schwerer Hypoglykämien ( definiert als ein Ereignis, das zu Bewusstlosigkeit oder Krämpfen führte ) und die damit assoziierten klinischen Parameter und Ergebnissen wurde zwischen 1992 und 2002 durchgeführt. Die Patienten wurden alle drei Monate untersucht. Die Daten wurden mittels eines negativen binomischen Regressionsmodells analysiert.

Ergebnisse:
Insgesamt wurden 944 schwere Ereignisse dokumentiert. Während der ersten fünf Jahre stieg die Inzidenz schwerer Hypoglykämien signifikant um 29 % pro Jahr - wobei es schien, dass während der letzten fünf Jahre ein Plateau erreicht worden sei. Der durchschnittliche HbA1c sank signifikant ( um 0,2 % pro Jahr ) während der gesamten Beobachtungszeit. Ein erhöhtes Risiko schwerer Hypoglykämien war mit einem niedrigeren HbA1c, einem jüngeren Alter, einer höheren Insulindosis, mit männlichem Geschlecht und niedrigerem elterlichen sozioökonomischen Status assoziiert. Bei den Insulintherapien war lediglich die Pumpenbehandlung mit einer verminderten Rate an schweren Hypoglykämien assoziiert.

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Aus dem HbA1c-Wert kann in etwa abgelesen werden, wieviel Zucker im Blut in den letzten 120 Tagen durchschnittlich vorhanden war. Eine Erläuterung des HbA1c-Wertes findet sich z. B. hier.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) empfiehlt in ihren Praxisleitlinien eine Therapieoptimierung, bis ein HbA1c-Wert von 6,5 Prozent oder darunter erreicht ist.

Unlängst wurde eine große Informationskampagne mit dem Titel "Wissen was bei Diabetes zählt - Gesünder unter 7"  gestartet, deren Hauptbotschaft war: Bei jedem Diabetiker sollte der HbA1c-Wert unter sieben Prozent liegen, sonst drohen schwere Folgekrankheiten. Offenbar ist es aber so, dass solche Ziele zwar insgesamt gesundheitliche Vorteile haben können, speziell bei Kindern aber auch zu verstärkten Nebenwirkungen wie schweren Hypoglykämien führen könnten.




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