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Deklaration für bessere Versorgung Migräne-Kranker [Allgemein]
17 Jun 05

Experten behaupten: Patienten mit Migräne seien relativ gut zu therapieren

Zwölf Spezialisten unter Vorsitz von Professor Hans-Christoph Diener vom Universitätsklinikum Essen haben in Rom eine Deklaration verabschiedet, in der europaweit eine bessere Versorgung von Migräne-Kranken gefordert wird. Migräne soll als Krankheit mehr als bislang im Bewußtsein der Bevölkerung verankert werden. Vor allem sollen sich mehr Betroffene ärztlich behandeln lassen.

Derzeit wenden sich nur 30 Prozent der Migräne-Kranken an einen Arzt, in fünf Jahren sollen es mindestens 50 Prozent sein. Patienten mit Migräne seien relativ gut zu therapieren, bei Nicht-Therapie entstünden viele indirekte Krankheitskosten, betonte Diener bei einer Veranstaltung in Rom, bei der die Deklaration bekanntgegeben wurde.

Für die medikamentöse Behandlung sind pro Migräneattacke 15 Euro zu veranschlagen. Werden Patienten nicht behandelt, kommt es zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Die Kosten pro Attacke sind dann etwa zehnmal so hoch.

Eine internationale Gruppe von Kopfschmerzexperten hat deshalb bei einem vom Unternehmen MSD unterstützten Treffen konkrete Ziele formuliert, wie sich die Krankheits- und Kostenlast reduzieren lassen. So sollen in fünf Jahren mindestens 70 statt jetzt 40 Prozent der Patienten eine effektive Akuttherapie erhalten, zum Beispiel mit einem Triptan. Jeder zweite Patient, für den eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe etwa mit einem Betablocker in Frage kommt, sollte sie dann bekommen.

Weitere Infos finden sich in der Ärzte-Zeitung.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Die Botschaft ist klar:

  • Migräne ist recht gut behandelbar.
  • Die Therapie lautet: Triptane gegen akute Migräneattacken und Betablocker in der Prophylaxe.
  • Die Kosten für diese medikamentöse Therapie mögen hoch erscheinen, sie sind aber niedriger als die Kosten für den Arbeitsausfall.
  • An präventiven Maßnahmen besteht kein Bedarf, da sich Migräne effektiv behandeln lässt.

Wir werden auf die meisten dieser Argumente nicht näher eingehen, das können viele Migränebetroffene, die z. T. 15 Triptane pro Monat einnehmen und seit Jahren mit Betablockern und Co. experimentieren, viel besser beurteilen. Man fragt sich regelrecht, wie die Welt vor 1990 funktionieren konnte, als "Made in Germany" noch etwas war und es noch keine Triptane gab.

Zu dem Kostenargument sei allerdings eine Anmerkung erlaubt: Man hat geradezu den Eindruck, dass die genannten Experten immer noch nicht wissen, worum es im Gesundheitswesen zur Zeit geht. Bislang hatte man die Vorstellung:

  • Alle Menschen zahlen in einen Topf, der sich Krankenkasse nennt.
  • Wenn jemand krank wird, dann erhält er aus diesem Topf die beste Behandlung.
  • Dies ist gesellschaftlich viel kostengünstiger, als die eigentlichen Folgekosten, wie z. B. Arbeitsausfall. Die zusätzlichen Kosten für die Behandlung der Kranken rechnen sich also gesamtgesellschaftlich über die Einsparungen, die andere (insbesondere Unternehmen) dabei haben.

Seit ein paar Jahren hat sich aber die Auffassung durchgesetzt, dass dieses Argument nicht mehr zieht und dass auf diese Weise eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen entsteht, die gesellschaftlich nicht mehr tragbar ist. Deshalb wird nun fieberhaft versucht, die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Dass dabei in Zukunft insbesondere die Krankheitsprävention eine größere Rolle spielen muss, ist vielen Experten längst klar. Die obige Deklaration hört sich also in vielen Argumenten an, als stamme sie aus einer längst vergangenen Zeit.




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