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Geld verdienen mit Diabetes [Allgemein]
26 Jun 05

Diabetes wird bis 2030 zu einer der schlimmsten Krankheiten werden. Daraus will eine Schaffhauser Firma Kapital schlagen.

Für die Gesundheitsbehörden ist es eine Horrorvision, für ein Schaffhauser Unternehmen, das den Gang an die Börse wagt, eine Investmentchance: 1985 litten rund 30 Millionen Menschen weltweit an Diabetes, 15 Jahre später waren es schon 177 Millionen, und im Jahr 2030 werden es mindestens 366 Millionen Menschen sein. Dies schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Laut WHO wird Diabetes im nächsten Vierteljahrhundert zu einer der schlimmsten Krankheiten werden.

Die Schaffhauser Apotheker Richard Brandt Beteiligungs AG, sie kotiert am Montag ihre 700 000 Inhaberaktien an der Berner Börse, formuliert es anders: "Diabetes ist der Mega-markt des 21. Jahrhunderts", schreibt Gerhard Mayer, der Delegierte des Verwaltungsrates, im gestern veröffentlichten Communiqué, das den Börsengang ankündigt.
Die Firma sieht im steilen Anstieg der Diabetesfälle ein "unglaubliches Wachstumspotenzial". Allein in den USA, so schätzt die Gesellschaft, werden jeden Tag 2200 neue Diabetesfälle diagnostiziert.
Ist es nicht unmoralisch, als Unternehmen darauf zu hoffen, dass immer mehr Leute krank werden? "Ja und nein", sagt Gerhard Mayer, "mit unserem Geld investieren wir ja auch in Unternehmen, welche mit ihren Produkten den Kranken helfen können." An die Börse geht die Firma, weil es für die bisherigen 35 Aktionäre umständlich gewesen sei, mit ihren Anteilen zu handeln. Zum gegenwärtigen Investorenkreis zählen laut Mayer in erster Linie Leute, die sich mit Diabetes auseinandergesetzt haben, als Fachleute, aber auch als Betroffene.

Weitere Infos finden sich bei SHN.ch.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Der Artikel kommt überraschend moralisch daher. Dabei ist das doch ein Kernansatz der Medizinindustrie: Mit Krankheiten Geld verdienen. In diesem Zusammenhang kann es dann natürlich wirtschaftlich günstig sein, wenn Menschen zunehmend krank werden und mehr medizinische Leistungen in Anspruch nehmen müssen.

Auf dieses Problem hatten wir deshalb schon öfter hingewiesen. Bezüglich der Vermeidung von Krankheiten besteht seitens der Medizinindustrie ein klarer Interessenkonflikt. Sie ist genauso wenig in der Lage, die Krankheitsprävention zum Zentrum ihrer Bemühungen zu machen, wie etwa die Zigarettenindustrie die Rauchentwöhnung. Nicht fehlende Evidenz sondern Quartalszahlen stehen dem im Wege.



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