migraeneinformation.de.


Multiple Chemikalienunverträglichkeit (MCS) ist nicht eingebildet [Allgemein]
22 Jul 05

Die auslösenden Mengen sind oft so gering, dass andere Menschen sie nicht wahrnehmen

Bereits beim Aufschlagen der Zeitung oder beim täglichen Einkauf kann ihnen schlicht die Luft wegbleiben: Menschen mit einer so genannten Multiplen Chemikalienunverträglichkeit (MCS) reagieren auf Umwelteinflüsse ungewöhnlich heftig. «Die Patienten führen ihre Beschwerden auf zahlreiche Chemikalien in der Umwelt zurück, die dort in geringsten Mengen anzutreffen sind», sagt Caroline Herr, Leiterin der umweltmedizinischen Ambulanz an der Universität Gießen.

«Ein Teil der MCS behinderten Menschen reagiert sogar auf die verwendeten Lösungsmittel in Zeitschriften», berichtet Heinz A. Guth, von der Deutschen Gesellschaft Multiple Chemical Sensitivity e. V., einem bundesweiten Patientenverband. Auslöser der Beschwerden können auch Duftöle, Desinfektionsmittel oder Medikamente sein. Die Mengen sind dabei so gering, dass andere Menschen sie nicht wahrnehmen.

Kopf- und Gliederschmerzen, Benommenheit und Schwindel sind mögliche Folgen. Die meist unspezifischen Symptome sind sehr vielfältig und von Patient zu Patient unterschiedlich. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität häufig so stark, dass die Betroffenen arbeitsunfähig werden und sich sozial isolieren.

MCS ist dabei keineswegs eine neuartige Erkrankung. Erstmals wurde das Syndrom kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von dem amerikanischen Allergologen Randolph beschrieben. Doch die Medizin hat mit MCS ein Problem. «Es ist keine Krankheit im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein umweltbezogener Symptomenkomplex», sagt Herr. Die Ursachen seien bislang ungeklärt. Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass es MCS gar nicht gibt und die Symptome allein psychische Ursachen haben.

Zu diesem Ergebnis kam etwa die Umweltambulanz der TU München in einer Studie an 308 Patienten mit umweltassoziierten Erkrankungen und unspezifischen Symptomen sowie an 59 Arbeitern aus der Halbleiter-Industrie. Psychische Erkrankungen waren bei den Patienten deutlich häufiger feststellbar als bei den Arbeitern. Psychosomatische Störungen hatten 47 Prozent der Patienten und nur 8,5 Prozent der Arbeiter. Auch Zwangs- und Borderline-Störungen waren mit 21 zu 10 Prozent, Störungen wie Depression oder Manie mit 19 zu 3,5 Prozent festgestellt worden. Einen Zusammenhang zwischen der Exposition von Chemikalien und Beschwerden konnte nicht festgestellt werden.

«Die Krankheit ist nicht eingebildet», sagt dagegen Guth. Psychogen bedingte Leiden gehörten gar nicht zum MCS-Syndrom. Eine Beteiligung der Psyche sei auch bei organisch bedingten Behinderungen allgemein bekannt und im Fall von MCS-Patienten eine Folge ihres jahrelangen Leidens. Eher liege die Ursache der MCS in einer chronischen Entzündung der Blutgefäße des Gehirns, in einer Schädigung des Hirnstamms und der Nervenzellen begründet. Und dies wiederum sei auf eine Exposition von Chemikalien zurückzuführen.

Weitere Infos finden sich bei Yahoo!.



Kommentare (0)