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Krebs und Diabetes: Es mangelt an Vorsorge [Allgemein]
07 Aug 05

In Deutschland fehlt nach Aussage von Experten eine "Präventionskultur"

Experten schlagen Alarm: Die Vorsorge werde im deutschen Gesundheitssystem sträflich vernachlässigt. In einer Studie der Felix Burda Stiftung und der Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton bewerteten 40 Präventionsexperten die Vorsorge bei Krebs und Zuckerkrankheit im Vergleich zu anderen Industrieländern als "mangelhaft". Nur Schwangerschaftsvorsorge und Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern seien "gut" bis "sehr gut".

Die Kosten für die Behandlung der Zuckerkrankheit und dadurch ausgelöster Folgeleiden in Deutschland beliefen sich jährlich auf 30 Milliarden Euro. Laut der Studie werden die Behandlungskosten für diese Volkskrankheit in Deutschland innerhalb der nächsten 15 Jahre explodieren und sich die Anzahl der Erkrankten bis 2020 von derzeit rund sechs Millionen auf zehn bis elf Millionen fast verdoppeln. Nach Angaben der Experten könnten dagegen langfristig bis zu 90 Prozent aller Diabetesfälle durch einfache präventive Maßnahmen wie eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung vermieden werden. Allein in Deutschland sei dadurch ein Einsparungspotential von 27 Milliarden Euro pro Jahr realisierbar.

Als Hauptursachen für die mangelnde Prävention in Deutschland identifiziert die Studie eine schlechte Koordination der Programme und Akteure, unzureichende gesetzliche und politische Rahmenbedingungen sowie das Fehlen einer allgemeinen "Präventionskultur". Prävention müsse in Deutschland durchgängig in allen Bereichen der Gesellschaft verankert werden. Gesundheitsvorsorge dürfe nicht als alleinige Aufgabe der Krankenkassen verstanden werden, sondern sollte alle Gebiete des Lebens einbeziehen.

Weitere Infos finden sich im Abendblatt.de.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Es ist auffällig, dass sich solche Berichte in der letzten Zeit häufen. In der Tat besteht durch solche Entwicklungen die Gefahr, dass die Kosten für die Behandlung "vermeidbarer" Erkrankungen so hoch werden, dass das gesamte Gesundheitssystem nicht mehr bezahlbar wird und dies u. a. direkte Auswirkungen auf viele andere Erkrankungen haben wird. Beispielsweise ist es vorstellbar, dass die Versorgung bei einer neuerlichen Grippeepidemie nur deshalb unzureichend sein wird, weil alles Geld bereits für Diabetes und andere Zivilisationserkrankungen aufgebraucht worden ist.

Wir werden aber nicht aufhören, darauf hinzuweisen, dass es sich bei Migräne um einen ähnlichen Fall wie bei Diabetes handelt und dass Migräne vermutlich sogar ganz ähnliche Ursachen wie Diabetes hat. Auch bei Migräne lässt sich ein Zuwachs der Erkrankungsraten nachweisen, nicht so stark wie bei Diabetes und deshalb weniger auffällig, aber eben doch ganz eindeutig. Verschiedene Untersuchungen lassen vermuten, dass Migräne in den Industrieländern in den letzten 30 - 40 Jahren um den Faktor 3 zugenommen hat. Das ist zwar im Vergleich zur Verzehnfachung, wie sie bei Diabetes genannt wird, gering, aber eben doch auch beträchtlich.

Bedenkt man, dass seit dem Aufkommen der Triptane auch die Medikamentenkosten beträchtlich gestiegen sind und dass viele Menschen seit dieser modernen Behandlungsoption deutlich mehr Medikamente benötigen, dass also nicht nur die Erkrankungsraten gestiegen sind sondern auch die Attackenzahl pro Betroffenem, dann erkennt man, dass ein Kostenexplosionsproblem auch bei Migräne besteht.

Und bezüglich Migräne muss man dann leider feststellen, dass eine Präventionskultur noch viel weniger existiert, als etwa bei Diabetes, weder bei Ärzten, Krankenkassen noch bei den zahlreichen Selbsthilfegruppen. Auf allen Seiten wird sich lediglich für Behandlung, fast nie für Prävention und Ursachen interessiert. Anders als bei Diabetes gibt es so gut wie keine Untersuchungen die es sich zum Ziel gemacht haben, die Rahmenbedingungen herauszufinden, die zu vermehrter Migräne führen. Dass es diese geben muss, erkennt man allein aus der Tatsache, dass Migräne zunimmt, sowohl was die Anzahl der Erkrankungen angeht als auch bzgl. der Anzahl der Attacken pro Erkranktem.

Hinzu kommt, dass die - unbewiesene - Behauptung einiger Mediziner, dass es sich bei Migräne vermutlich um eine genetisch bedingte Reizverarbeitungsstörung im Gehirn handelt und diese folglich nur medikamentös behandelt werden kann, einen erheblichen Flurschaden bzgl. einer sinnvollen Migräneprävention angerichtet hat.

Wir können deshalb auch bei Migräne den Schlusssatz des obigen Artikels nur unterstreichen: "Gesundheitsvorsorge dürfe nicht als alleinige Aufgabe der Krankenkassen verstanden werden, sondern sollte alle Gebiete des Lebens einbeziehen."

Das Gesundheitssystem hat bzgl. der Prävention von Migräne völlig versagt und es ist deshalb erforderlich, dass sich Politik, Medien und Betroffene diesem so wichtigen Thema verstärkt annehmen.



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