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Die Halskrause ist out - Nach Schleudertrauma die Halswirbelsäule frühzeitig aktivieren [Allgemein]
27 Jul 04

Andernfalls droht Dauerschmerz

Schleudertrauma - diese Diagnose wird in Deutschland jedes Jahr etwa 200 000 Mal gestellt, zumeist nach einem Auffahrunfall. Der Kopf wird durch den Aufprall von hinten gegen die Nackenstütze geschleudert und pendelt dann nach vorn. In der Folge klagen die Betroffenen über Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit im Hals- und Nackenbereich. Häufig treten Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen auf, manchmal auch Ohrgeräusche und Schwindel.

Früher sollten die Patienten den Kopf dann möglichst wenig bewegen - zur Entlastung der Halsmuskulatur und der Halswirbelsäule. Nach Erkenntnissen der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (DGPMR) bekommen auch heute noch zwei von drei Patienten eine Halskrause verordnet. Das sei in den meisten Fällen aber falsch, sagt Uwe Moorahrend von der DGPMR. Er empfiehlt statt Ruhigstellung eine frühzeitige Aktivierung der Nackenmuskulatur.

«Nur in seltenen Fällen erleiden Autofahrer bei Auffahrunfällen strukturelle Verletzungen wie Risse und Brüche an Wirbeln, Bändern und Sehnen», sagt der Mediziner. In der Regel sind die Halsmuskeln betroffen. «Dies führt vor allem bei schon vorher bestehenden Haltungsschäden mit gestörter Muskelfunktion zu Schmerzen im oberen Nackenbereich», erläutert der Ärztliche Direktor der Fachklinik für Physikalische Therapie und medizinische Rehabilitation Enzensberg.

Das Schlimmste, was solchen funktionsgestörten Muskeln angetan werden könne, sei eine Ruhigstellung. Dann entwickele sich der so genannte Immobilisationsschmerz. Der schränke die Bewegungsfähigkeit noch mehr ein und lasse das Leiden leicht chronisch werden, warnt Moorahrend.

Der Unfallchirurg und Rehabilitationsmediziner empfiehlt statt dessen, den akuten Schmerz mit physikalischen Verfahren und gegebenenfalls auch mit Medikamenten zu behandeln, um frühzeitig mit einer aktiven Therapie unter fachkundiger Anleitung beginnen zu können. Das ist aus Sicht des Experten «die beste Voraussetzung, lang anhaltende Schmerzzustände und Bewegungseinschränkungen zu verhindern».

Eine einheitliche Richtlinie für die Diagnose und Therapie des Schleudertraumas gibt es allerdings nicht. Laut Moorahrend sind allein 20 verschiedene Definitionen gängig, die den Schweregrad der Verletzung angeben. Die einzige Begründung für das Verordnen einer Halskrause lautet aus früherer Sicht: Ruhigstellung kann nicht schaden.

Das treffe in den meisten Fällen nicht zu, sagen auch Experten von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Nach einem Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule sollte die Halswirbelsäule nur dann ruhig gestellt werden, wenn die Haltefunktion der Wirbelsäule stark beeinträchtigt ist.

Weitere Infos finden sich hier.




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