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Kopfschmerz etwa bei Stress kann vom Kiefer ausgehen [Allgemein]
12 Okt 05

In diesem Fall hilft der Zahnarzt besser als ein Neurologe

Eigentlich lag es schon drei Jahre zurück, daß Martina M. eine neue Krone bekommen hatte. Die war ein wenig zu hoch gewesen, aber die berufstätige Mutter fand keine Zeit, sich darum zu kümmern. Und irgendwann hatte sie sich an die Krone gewöhnt. Doch eines Tages - sie hatte zu der Zeit viel Ärger im Betrieb - bekam sie starke Kopfschmerzen, die immer wiederkehrten.

Martina M. wandte sich an einen Neurologen, der lange keinen Rat wußte und sie schließlich an einen Zahnarzt überwies. Der stellte eine Fehlfunktion des Kiefergelenks fest, eine cranio-mandibuläre Dysfunktion (CMD).

Diese Störung, so wenig bekannt sie ist, kommt möglicherweise sehr häufig vor: Schätzungen zufolge machen sie 60 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise zu schaffen, Frauen achtmal häufiger als Männern. Jahrelang kann sie symptomlos verlaufen, weil die Gelenke, Muskeln, Bänder und Sehnen Fehlbelastungen kompensieren.

Aber plötzlich treten Beschwerden auf, wenn eine weitere, auch harmlose, Belastung hinzukommt: etwa durch berufliche oder familiäre Schwierigkeiten, eine weitere zahnärztliche Behandlung, Krankheiten oder einfach Alterung des Gewebes.

Bei einer CMD stehen am Anfang am häufigsten Füllungen, Kronen oder Brücken, die nicht exakt auf Bißhöhe abgeschliffen wurden, eventuell gar mit dem Argument: "Das beißt sich ein." Schlecht angepaßte Zahnspangen oder Prothesen sind ebenfalls mögliche Wurzeln des Übels.

"Die Zahnfront mag wunderschön aussehen, aber dahinter stimmt nichts mehr, die Bißlage ist falsch", so der niedergelassene Zahnarzt Dr. Michael Weiss aus Ulm bei einer Tagung in Tübingen.

Zähneknirschen kann ebenfalls den Grundstein für eine CMD legen: "Das Kauorgan dient als Ventil: Bei Streß beißt man die Zähne zusammen. Schon Kinder knirschen sehr viel", sagte Weiss.

Weitere Infos finden sich in der Ärztezeitung.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
In der Nachricht wird betont, dass Frauen 8 mal häufiger unter entsprechenden Symptomen leiden. In einer Studie (siehe Nachricht vom gleichen Tag) konnte unlängst gezeigt werden, dass sich das hohe Vorkommen bei Frauen parallel zum Status der Pubertät entwickelt. Dies legt nahe, dass hormonelle Einflüsse insgesamt eine wesentliche Rolle spielen.

Zähne zusammenbeißen und Zähnefletschen haben sehr viel mit Stress, aber auch mit Aggressionen und Ängsten zu tun. Der Artikel macht nun unserer Meinung nach den Fehler, dass er Stress wieder zu stark auf äußere Einflüsse wie etwa Belastungen bei der Arbeit oder in der Familie zurückführt. Es ist viel wahrscheinlicher, dass chronischer Stress ganz automatisch mit entsprechenden Symptomen einhergeht, weil sie zur normalen Stressreaktion gehören wie etwa erhöhter Pulsschlag, veränderter Blutdruck usw. auch.

Und hier stellt sich die Frage, woher dieser ganze Stress kommt. In vielen Fällen wird dabei die Aufmerksamkeit zu sehr auf äußere belastende Faktoren gerichtet, die auch in der Tat umso belastender empfunden werden, je weniger stressbelastbar eine Person insgesamt ist. Oftmals ist eine wesentliche Ursache jedoch in innereren Faktoren, also im Stoffwechsel der Person selbst zu suchen. Bei Frauen stellt sich mit der Pubertät durch den Zyklus eine starke regelmäßige Hormonschwankung ein, die ihr Hormonsystem schon von Natur aus weniger stabil macht als das von Männern. Sie sind deshalb üblicherweise weniger stressbelastbar als Männer und leiden deshalb auch viel häufiger unter stressbedingten Erkrankungen und Symptomen. Vermutlich war es in der Steinzeit - als sich alle diese Mechanismen herausbildeten - auch nie ihre Aufgabe, wirklichen Gefahren zu widerstehen. Sie hatten die Aufgabe, sich um die Nachhut zu kümmern und für die Gefahrenabwehr waren die Männer zuständig. Die brauchten dafür das robustere Hormonsystem.

Wenn nun durch die hohen Insulinausschüttungen der heute üblichen Ernährung weitere hormonelle Belastungen hinzukommen - und es konnte in einer Studie bereits gezeigt werden, dass Migräniker hohe Kohlenhydatmengen in einer Mahlzeit schlechter verarbeiten können als gesunde Kontrollen - mit Hyperglykämien nach der Mahlzeit und Hypoglykämien in der Nacht, dann sind Frauen - mit ihrem ohnehin labileren Hormonsystem - signifikant stärker betroffen. Das gilt umso mehr, als ein wirklich großer Prozentsatz aller Mädchen und Frauen ab der Pubertät mit Diäten anfängt und dann auf die eine oder andere Weise ihr Leben lang bei diesem Thema bleibt.



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