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"Schmerztherapie ist ein Zuschussgeschäft" [Allgemein]
20 Okt 05

Kongress mit über 2 000 Spezialisten im Bremer Congress Centrum / Sonnabend Patientenforum zu Migräne, Spannungskopfschmerzen und Rückenschmerzen

Acht Millionen Deutsche leiden unter chronischen Schmerzen. Mindestens 600 000 davon zählen zu den "Problemfällen", die besonderer Therapie bedürfen. Bei älteren Menschen (über 65 Jahre) gelten Schmerzen als Krankheitsursache Nummer eins. Insgesamt verursachen die Schmerzpatienten volkswirtschaftliche Folgekosten von rund 25 Milliarden Euro. "Das entspricht dem Wert von rund zehn Gesundheitsreformen", sagte Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS), gestern zum Auftakt des 30. Deutschen Schmerzkongresses im Bremer Congress Centrum.

Trotzdem fristet die Schmerztherapie ein stiefmütterliches Dasein. Scmerztherapie und Palliativmedizin seien immer noch keine Pflichtfächer im Medizinstudium, klagt Zenz und fordert eine entsprechende Änderung der Approbationsordnung. Auch in der Weiterbildung von Allgemeinmedizinern und Internisten zu Fachärzten komme Schmerz nicht vor.

Schmerztherapie sei ein Zuschussgeschäft für Kliniken, ergänzt Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Strumpf vom Bremer Rot-Kreuz-Krankenhaus. Auch für Ärzte. "Ein Mediziner muss eine andere Gelderwerbsquelle haben, um sich mit Schmerztherapie beschäftigen zu können", sekundiert Zenz.

Die Folgen: Die Qualität der Versorgung von Schmerzpatienten werde immer schlechter. Viele Hausärzte seien überfordert. Schließlich werden in der "Ein-Minuten-Medizin" viele falsche, einseitige und fehlerhafte Therapien verordnet, die "viel Geld kosten und den Patienten letztlich nur schaden".

Chronische Schmerzen werden als bio-psycho-soziale Erkrankung definiert. Strumpf fordert mehr Mut zu "interdisziplinären Therapien", die aus ganz ganz vielen einzelnen Bausteinen bestehen. "Eine Wunderpille gegen Schmerzen gibt’s nicht, und die wird es auch in 30 Jahren nicht geben."

Zu dem bis Sonnabend dauernden Schmerzkongress werden mehr als 2.000 Spezialisten aus ganz Deutschland erwartet. Der Kongress endet mit einem öffentlichen Patientenforum zu Migräne und Spannungskopfschmerz sowie Rückenschmerz, das am Sonnabend, 22. Oktober, von 10 bis 13 Uhr im Park Hotel in Bremen läuft.

Weitere Infos finden sich hier.




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