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HLA-DRB1*16-Merkmalausprägung ist bei Patienten mit Migräne ohne Aura häufiger anzutreffen [Allgemein]
18 Dez 05

Kein feststellbarer Unterschied für Patienten mit Aura-Migräne im Vergleich zu gesunden Kontrollen

Eine italienische Studie hat die Verteilung der HLA-DRB1-Merkmalausfprägungen von 255 Migräne-Patienten mit denen von 325 gesunden Personen verglichen. 214 der Migräne-Patienten litten unter Migräne ohne Aura, 41 unter Migräne mit Aura.

Es konnte eine signifikant erhöhte HLA-DRB1*16-Merkmalausprägung unter den Migränikern ohne Aura festgestellt werden. Kein Unterschied konnte zwischen den Migränikern mit Aura und den gesunden Kontrollpersonen beobachtet werden. Ferner konnte kein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Allelen (Merkmalausprägungen)  und dem Alter der Personen, dem Beginn und der Schwere der Migräne festgestellt werden.

Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass es möglicherweise im HLA-Bereich genetische Faktoren gibt, die die Entstehung einer Migräne ohne Aura begünstigen.

Abstract:
HLA-DRB1 genotyping in Italian migraine patients.

Rainero I, Dall'omo AM, Rubino E, Valfre W, Fasano ME, Rivoiro C, Brancatello F, Savi L, Gallone S, Pinessi L.

Neurology III-Headache Center, Department of Neuroscience, University of Torino, Via Cherasco 15, Torino 10126, Italy.

We examined the distribution of HLA-DRB1 alleles in a cohort 255 Italian migraine patients and in a control group of 325 healthy subjects. 214 patients fulfilled the ICHD-II criteria for migraine without aura and 41 patients the criteria for migraine with aura. The frequency of DRB1(*)16 allele was found to be significantly increased in migraine without aura patients (p=0.02; OR 1.97, 95% CI: 1.10-3.54) than in healthy controls. The frequencies of HLA-DRB1 alleles were not significantly different between migraine with aura patients and controls. We did not detect any effect of DRB1 alleles on age at onset, duration of the disease, frequency and duration of migraine attacks. Our data suggest the presence of a genetic susceptibility factor for migraine without aura within the HLA region.

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Der HLA-DRB1-Genotyp wird mit einigen Autoimmun-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Aus diesem Grund wurde schon in anderen Studien versucht, eine Korrelation zwischen Erkrankung und den verschiedenen Ausprägungen herzustellen. Eine brasilianische Studie konnte z. B. feststellen, dass unter den untersuchten Typ1-Diabetikern die Merkmalausprägungen HLA-DRB1*3 und HLA-DRB1*4 signifikant höher auftraten als bei gesunden Kontrollen, während die nun bei Migränikern häufiger auftretende HLA-DRB1*16-Merkmalausprägung überhaupt nicht anzutreffen war. Dies könnte die These stützen, dass bestimmte genetische Faktoren die Entwicklung bestimmter Krankheiten begünstigen, aber gleichzeitig einen Schutz vor anderen Krankheiten darstellen, was genetische Manipulationen zur Vermeidung/Heilung der großen Massenerkrankungen wie Diabetes oder Migräne erschweren dürfte.

Angenehm an der Arbeit von Dr. Rainero und Kollegen ist, dass sie die Bedeutung von genetischen Faktoren schon von der Wortwahl her deutlich relativieren. Denn alles was bislang gefunden wurde deutet doch stets nur darauf hin, dass bestimmte Gene die Entstehung einer Krankheit wie Migräne begünstigen, diese aber nicht zwingend bewirken können. Denn alle Daten sind der Art, dass es einen gewissen statistischen, nicht aber kausalen Zusammenhang gibt. Dies ist auch ganz klar in Familienhistorien feststellbar: Es gibt zahlreiche Migräniker mit einer klaren Familienhistorie in Migräne und es gibt ebenso zahlreiche Migräniker, in deren Familie Migräne bislang völlig unbekannt war.



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