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Vergleich von Amitriptylin und Flunarizin in der Migräneprophylaxe bzgl. BMI, Leptin und Insulin [Pharma]
21 Dez 05

Beide Medikamente führen möglicherweise zu Leptin-Resistenz, da BMI und Leptin-Spiegel ansteigen

Flunarizin und Amitriptylin werden beide in der Migräneprophylaxe eingesetzt. Für beide Wirkstoffe ist bekannt, dass sie häufig zu einer substanziellen Gewichtszunahme führen.

In der Studie wurde nun untersucht, inwieweit sich Flunarizin und Amitriptylin bzgl. der Veränderung von kritischen Stoffwechselparametern unterscheiden. Dazu wurden 49 Migräniker ohne Stoffwechselauffälligkeit und mit einem BMI < 25 zufällig in 2 Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt Amitriptylin, die andere Flunarizin.

Nach 12 Wochen wurde in beiden Gruppen ein signifikanter Anstieg von Leptin, Insulin und des BMI festgestellt. Da ein Anstieg des Leptinspiegels eigentlich zu einer Appetitsenkung führen müsste, vermuten die Autoren, dass beide Medikamente auf möglicherweise unterschiedliche Weise eine Leptin-Resistenz bewirken.

Bei Leptin handelt es sich um ein Proteohormon, das 1994 von dem Molekularbiologen Jeffrey Friedman entdeckt wurde. Leptin, welches von Adipozyten (Fettzellen) sezerniert wird, hat Appetit-hemmende Wirkung. Leptin spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Fetthaushalts von Säugetieren.

Hoffnungen, dass Leptin sich als wirkungsvolles appetitzügelndes Medikament erweisen könnte, haben sich zerschlagen, als man feststellte, dass die meisten fettleibigen Menschen hohe Spiegel dieses Hormons aufweisen. Diese - häufig ständig hungrigen - Patienten weisen keinen Mangel an Leptin auf, sondern leiden vielmehr an einer sog. Leptinresistenz, einem Zustand, bei dem die physiologische Wirkung des Leptins auf die Zielneuronen unterbleibt. Der zugrunde liegende Mechanismus ist noch nicht aufgeklärt.

Abstract:
Comparison of the effects of amitriptyline and flunarizine on weight gain and serum leptin, C peptide and insulin levels when used as migraine preventive treatment.
Cephalalgia. 2005 Nov;25(11):1048-53.
Berilgen M, Bulut S, Gonen M, Tekatas A, Dag E, Mungen B.

The tricyclic antidepressant amitriptyline (AMT) and the calcium channel blocker flunarizine are frequently used in the preventive treatment of migraine, but the side-effect of prominent weight gain that frequently emerges during preventive treatment of migraine with these agents often leads to the discontinuation of therapy. In this study, we aimed to investigate the possible relationship between the weight gain associated with the use of these agents and serum levels of leptin, C-peptide and insulin in patient with migraine. Forty-nine migraine patients with a body mass index (BMI) < 25 and without any endocrinological, immunological or chronic diseases were randomly divided into two groups, receiving AMT or flunarizine. There was a statistically significant increase in serum levels of leptin, C-peptide, insulin and measures of BMI in both groups when measured at the 12th week of therapy compared to their respective basal levels. To our knowledge this is the first study investigating the effects of AMT and flunarizine on serum leptin levels in preventive use of migraine treatment. A result from this study indicates that AMT and flunarizine may cause leptin resistance possibly by different mechanisms and thereby result in increase in serum leptin levels and BMI.

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Erst neulich wurde bei Migränikern eine schlechtere Glukosetoleranz bzw. verringerte Insulin-Sensitivität nachgewiesen. Die vorliegende Studie behauptet jetzt, dass sich nach Gabe von Amitriptylin und Flunarizin die Insulin-Spiegel anheben. Hierdurch kann eine verringerte Insulin-Sensitivität deutlich gebessert werden. Dies hat aber unmittelbar zur Konsequenz, dass postprandial der Blutzuckerspiegel nicht mehr über Gebühr ansteigt und stattdessen mehr Energie in den Fettzellen landet, was den Anstieg des Gewichts erklären könnte.

Studien dieser Art machen sukzessive immer deutlicher, was bei Migränikern schief läuft. Offenkundig ist dieser Typ mehrheitlich nicht auf "schnelle" Kohlenhydrate eingerichtet. Nimmt er eine Mahlzeit mit hohem glykämischen Index (z. B. eine Zuckerlösung wie bei Glukose-Toleranz-Tests) auf, dann steigt der Blutzuckerspiegel zunächst zu stark an, da die Insulinreaktion verzögert ist. Das nennt man verringerte Insulin-Sensitivität. Die Insulinausschüttung setzt dann erst deutlich später ein, was anschließend dazu führt, dass der Blutzuckerspiegel zu stark sinkt, wodurch eine erhebliche Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol erforderlich wird. Man könnte einen Migräniker ganz salopp mit einem Diabetiker vergleichen, der sich bei einer kohlenhydratreichen Mahlzeit zu spät Insulin spritzt, wodurch sein Blutzuckerspiegel zunächst viel zu stark ansteigt, um später zu stark abzusinken.

An dieser Stelle darf angemerkt werden, dass es "schnelle" Kohlenhydrate in der menschlichen Nahrung erst seit Einführung des Getreides gibt und darüberhinaus zunehmend seit dem steten Anstieg des Zuckerkonsums. Offenkundig ist es so, dass der Migräniker grundsätzliche Probleme mit einer Ernährung hat, die es in dieser Form noch nicht sehr lange gibt und auf die er genetisch gar nicht eingestellt ist.

Nimmt der/die Betroffene nun Medikamente wie Amitriptylin oder Flunarizin ein, verbessert sich offenkundig die Insulin-Situation und der Blutzuckerspiegel schwankt nicht mehr so stark wie ohne Medikamente. Bei unverändertem Ernährungsverhalten führt dies aber wiederum dazu, dass nun mehr und auch schneller Energie in den Fettzellen landet und das bewirkt dann einen Anstieg des BMI.



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