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Hilft Ketose bei Migräne? Ein Fallbeispiel [Ernährung]
11 Jan 06

Tägliche chronische Migräne der Ehefrau eines Arztes verwandelte sich in völlige Schmerzfreiheit nach Erreichen des Zustands der Ketose

In einem Brief an die angesehene Fachzeitschrift Headache berichtet der Arzt R. Scott Strahlman von der Migräne seiner Ehefrau.

Gemäß Bericht litt diese seit ihrer Schulzeit unter Kopfschmerzen. Während der Pubertät verschlimmerten sich die Schmerzen und wurden offiziell als Migräne diagnostiziert.

Im Erwachsenenalter verschlimmerte sich die Migräne weiter. Sie versuchte verschiedene Lebensstiländerungen, aber weder Diäten, Sport noch 2 Schwangerschaften brachten eine Besserung.

Zahlreiche Medikamente wurden im Laufe der Jahre von Neurologen verordnet. Am besten wirkten die folgenden Medikamente:

  • Imigran
  • Naramig
  • Fioricet (eine Kombination aus Butalbital, Paracetamol und Koffein. Bei Butalbital handelt es sich um ein Barbiturat.)

Zum Schluss nahm sie in 6 Wochen regelmäßig 18 Imigran 50mg, 9 Naramig 2,5 mg und 30 Fioricet.

Im Alter von 43 Jahren wurde im Anschluss an die 2. Schwangerschaft eine Diät begonnen, um das Übergewicht nach der Schwangerschaft zu reduzieren. Dabei wurde ein proteinreiches aber kohlenhydratarmes Diät-Pulver verabreicht. Im Rahmen der Diät durften zunächst nicht mehr als 600 - 800 Kcal pro Tag aufgenommen werden. Die Diät wurde unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt.

Der Verfasser berichtet dann weiter, dass seine Ehefrau unmittelbar nach Beginn der Ketose von fast täglichen Kopfschmerzen zu völliger Schmerzfreiheit überging. Sie hielt den Zustand der Ketose mit der ausgewählten Diät 7 Monate lang durch. Danach ging sie wieder zu normaler Diät über und erweitert nun ihre Nahrung sukzessive um Trigger-Nahrung wie Alkohol oder Schokokolade. Trotzdem hat sie seit über 14 Monaten keinen Migräneanfall mehr erlebt.

Der Verfasser schließt daraus, dass die Ketose seine Frau geheilt hat. Ferner schreibt er, dass die Intention seines Briefes war, um die Forschung bzgl. der Wirkung von ketogenen Diäten auf Migräne anzuregen.

Strahlman, R. Scott: Can Ketosis Help Migraine Sufferers? A Case Report. Headache: The Journal of Head and Face Pain. Volume 46 Page 182 - January 2006. doi:10.1111/j.1526-4610.2006.00321_5.x

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Willkommen im Club. Man darf zwar etwas skeptisch bzgl. einer dauerhaften Heilung sein, aber wenn sie weiterhin vorsichtig ist und ihre Ernährung nicht wieder in Richtung Ausgangsdiät verschiebt - die ja wohl auch für die deutliche Gewichtszunahme verantwortlich war, dann hat sie sicherlich gute Chancen, auch bei einer relativ "normalen" Diät weiterhin schmerzfrei zu bleiben.

Der Schlussbemerkung des Autors ist kaum noch etwas hinzuzufügen. Ketogene Diäten wirken bei Epilepsie. Selbst bei Depressionen - mit denen Migräniker bekanntlich auch häufig zu kämpfen haben - konnten Erfolge nachgewiesen werden:

  • Sinha SR, Kossoff EH: The ketogenic diet. Neurologist. 2005;11: 161-170
  • Mady MA, et al.: The ketogenic diet: adolescents can do it, too. Epilepsia. 2003;44: 847-851
  • Sirven J, et al.: The ketogenic diet for intractable epilepsy in adults: preliminary results. Epilepsia. 1999;40: 1721-726
  • Kossoff EH, Krauss GL, McGrogan JR, Freeman JM: Efficacy of the Atkins diet as therapy for intractable epilepsy. Neurology. 2003;61: 1789-1791
  • Murphy P, Likhodii S, Nylen K, Burnham WM: The antidepressant properties of the ketogenic diet. Biol Psychiatry. 2004;56: 981-983

Zahlreiche Antiepileptikas (Valproinsäure, Topiramat, Gabapentin, ...) wirken auch in der Migräneprophylaxe. Die Ähnlichkeiten und Komorbiditäten zwischen Epilepsie und Migräne wurden immer und immer wieder bestätigt. Eine Forschung in diese Richtung ist extrem naheliegend bis geradezu zwingend.

Recht interessant ist auch die Theorie hinter der verwendeten Abnehmmethode: Wenn man dem Körper weniger Kalorien zuführt als er verbraucht, dann muss er die Kalorien aus den Körper-Depots nehmen. Diese bestehen zu 99% aus Körperfett und Proteinen (z. B. Muskeln). Um einen Abbau von Körpereiweiß zu verhindern, führt man also mindestens die Menge an Proteinen über die Nahrung zu, die abgebaut werden könnte. Auf diese Weise verliert man nur Körperfett. Anders als bei der Atkins-Diät nimmt man in der Abnehmphase kaum Fette über die Nahrung auf, sondern lässt den Körper die Energie über den Abbau eigener Fette produzieren. Dies sind dann die Ketonkörper, die den Diätteilnehmer in den Zustand der Ketose versetzen.

Es handelt sich also auch bei dieser Vorgehensweise um eine LowCarb / HighFat-Diät mit ca. 30% Proteinen und 70% Fett, nur dass das Fett fast ausschließlich aus den Körperdepots kommt und für einen sicheren Zustand der Ketose sorgt.




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