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Migräneprophylaktika unterdrücken die CSD in Ratten [Pharma]
03 Feb 06

Je länger die Behandlung andauerte, desto schwerer ließ ich eine Cortical Spreading Depression in Ratten provozieren

In dieser Studie wurden Ratten akut bzw. prophylaktisch über Wochen und Monate mit den Migräneprophylaktika Topiramat, Valproinsäure, Propranolol, Amitriptylin oder Methysergid behandelt. Weitere Ratten wurden mit dem Migräne-unwirksamen Stoff D-Propranolol behandelt, andere gar nicht.

In gewissen Zeitabständen wurde versucht, bei den Ratten durch standardisierte Verfahren eine Cortical Spreading Depression (CSD) zu provozieren. Viele Theoretiker gehen davon aus, dass die CSD einer Migräneattacke vorausgeht und dass sie darüberhinaus viele Symptomatiken der Aura-Phase erklären kann.

Es zeigte sich, dass die akute Behandlung keine Wirkung hatte, gleichfalls die Behandlung mit D-Propranolol. Dagegen führte die regelmäßige Applikation der Migräneprophylaktika je nach Dosierung zu einer Senkung der CSD-Frequenz um 40 - 80% und zu einer Erhöhung der Schwellwerte, ab der eine CSD provozierbar war. Je länger die Behandlung mit den Wirkstoffen andauerte, desto besser war die Unterdrückung der CSD.

Abstract:
Suppression of cortical spreading depression in migraine prophylaxis.

OBJECTIVE: Topiramate, valproate, propranolol, amitriptyline, and methysergide have been widely prescribed for migraine prophylaxis, but their mechanism or site of action is uncertain. Cortical spreading depression (CSD) has been implicated in migraine and as a headache trigger and can be evoked in experimental animals by electrical or chemical stimulation. We hypothesized that migraine prophylactic agents suppress CSD as a common mechanism of action. METHODS: Rats were treated either acutely or chronically over weeks and months, with one of the above migraine prophylactic drugs, vehicle, or D-propranolol, a clinically ineffective drug. The impact of treatment was determined on the frequency of evoked CSDs after topical potassium application or on the incremental cathodal stimulation threshold to evoke CSD. RESULTS: Chronic daily administration of migraine prophylactic drugs dose-dependently suppressed CSD frequency by 40 to 80% and increased the cathodal stimulation threshold, whereas acute treatment was ineffective. Longer treatment durations produced stronger CSD suppression. Chronic D-propranolol treatment did not differ from saline control. INTERPRETATION: Our data suggest that CSD provides a common therapeutic target for widely prescribed migraine prophylactic drugs. Assessing CSD threshold may prove useful for developing new prophylactic drugs and improving upon existing ones. Ann Neurol 2006.

Ayata C, Jin H, Kudo C, Dalkara T, Moskowitz MA. Suppression of cortical spreading depression in migraine prophylaxis. Ann Neurol. 2006 Jan 31

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Heute nehmen viele Theoretiker an, dass jedem Migräneanfall eine CSD vorausgeht. Wenn also die genannten Wirkstoffe eine prophylaktische Wirkung bei Migräne haben sollten, dann müssen sie u. a. dafür sorgen, dass es weniger häufig zu einer CSD kommt, insoweit ist das Ergebnis nicht völlig überraschend.

Die Autoren lassen durchblicken, dass sie hier möglicherweise den gemeinsamen bislang unbekannten Wirkungsmechanismus der genannten Migräneprophylaktika gefunden haben.

Dem steht aber entgegen, dass sie anmerken, dass die akute Anwendung der Medikamente keine Wirkung zeigte. Dagegen konnte in einer anderen Studie gezeigt werden, dass Valproinsäure IV auch akut bei Migräne wirkt. Bei einer akuten Migränebehandlung ist üblicherweise die CSD schon beendet. Folglich hat mindestens Valproinsäure auch noch einen anderen Wirkungsmechanismus als nur die Unterdrückung der CSD.

Bei allen genannten Medikamenten wird darüber hinaus angenommen, dass sie entweder den Serotonin-Spiegel im Gehirn senken oder eine GABAerge Wirkung entfalten. Auch diese Eigenschaften könnten als Erklärung für eine Unterdrückung der CSD dienen.

Bestätigen scheint das Resultat allerdings erneut die Vermutung, dass auch bei Menschen einer Migräneattacke eine CSD vorausgeht.




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