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Entspannung ist bei Kopfschmerzen das A und O [Allgemein]
03 Sep 04

Umweltfaktoren wie Stress, Angstzustände oder Muskelverspannungen können Spannungskopfschmerzen hervorrufen

Mehr als jeder dritte Mensch in Deutschland leidet mindestens ein Mal pro Monat unter Spannungskopfschmerzen. Bei fast zwei Millionen sind die Beschwerden bereits chronisch und treten nahezu täglich auf. Die meisten Patienten gehen auf eigene Faust dagegen vor: "Etwa 80 Prozent der Betroffenen behandeln selbst ihre Kopfschmerzen mit frei verkäuflichen Mitteln aus der Apotheke", sagt der Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Peter Kropp, anlässlich des Deutschen Kopfschmerztages am kommenden Sonntag.

Für die Pharmaindustrie ist dies ein ausgesprochen lukratives Geschäft. "Es gibt weiterhin einen steigenden Trend beim Kopfschmerzmittelverkauf", sagt der Medizinische Psychologe vom Universitätsklinikum Kiel. Nach Angaben des Arzneimittelreports führt auch ein Kopfschmerzmedikament die Liste der am meisten verkauften Arzneimittel in Deutschland an.

"Grundsätzlich ist gegen eine Selbstbehandlung der Kopfschmerzen nichts einzuwenden", betont Kropp. Allerdings müssen dabei einige Verhaltensregeln beachtet werden. In ihren neuen Empfehlungen rät die Gesellschaft dringend, Kopfschmerz- und Migränepräparate nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat einzunehmen.

"Andernfalls droht ein so genannter Medikamenten-Übergebrauch-Kopfschmerz", warnt Kropp. In Deutschland sind etwa 600.000 Menschen davon betroffen: Bei ihnen verursachen die Kopfschmerzmittel selbst Kopfschmerzen. Warum das so ist, ist bislang nicht genau geklärt. Die einzige Therapie ist der Verzicht auf die Tabletten: "Nach drei bis vier Tagen ohne Medikamente verschwindet dann der Dauerkopfschmerz", sagt der Wissenschaftler.

Wollen Betroffene ihre dumpf-drückenden oder ziehenden Beschwerden los werden, empfiehlt die Gesellschaft die Wirkstoffe ASS, Ibuprofen oder eine Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein. Doch oft helfen die Arzneimittel nicht allein, wenn der Kopfschmerz chronisch geworden ist. Dann muss ein Arzt aufgesucht werden, der zusätzlich eine Bewegungs- und Verhaltenstherapie verordnen kann.

Den Nutzen solcher Behandlungen bestätigt eine italienisch-dänische Studie. Die Neurologen hatten 26 Patienten mit häufigen und 24 Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen in zwei Gruppen aufgeteilt. Nach einer vierwöchigen Beobachtungsphase machte die erste Gruppe über acht Wochen 16 krankengymnastische und entspannende Übungen. Die anderen Patienten erhielten die Therapie erst gegen Ende der Beobachtungszeit.

Im Ergebnis konnte die Zusatzbehandlung die Kopfschmerztage von 16 auf 12 Tage pro Monat senken. Vor allem Frauen profitierten von der Therapie. Die Untersuchung zeigte laut Kropp, dass die Beschwerden recht gut mit Krankengymnastik, Muskelentspannungstechniken, Stressbewältigungsstrategien, Sport und psychologisch-verhaltensmedizinischen Therapien behandelt werden können. Auch zur Vorbeugung eignen sich solche Massnahmen.

Ähnliche Ergebnisse erzielten auch Forscher der türkischen Universität Erciyes in einer Studie an 40 Migräne-Patienten. Nach einem sechswöchigen Ausdauertraining drei Mal pro Woche hatte sich die Anzahl der Migräneattacken halbiert, die Intensität der Schmerzen war um ein Drittel gesunken. Die körpereigenen Schmerzhemmstoffe waren dagegen gestiegen.

"Um Kopfschmerzen vorzubeugen, ist Entspannung das A und O", sagt Kropp. Denn neben genetischen Einflüssen könnten Umweltfaktoren wie Stress, Angstzustände oder Muskelverspannungen Spannungskopfschmerzen hervorrufen. Viele Patienten könnten nicht mit Alltagsbelastungen und Stress umgehen. Sie neigten dazu, sich selbst zu überfordern, bewegten sich zu wenig und nähmen oft ungünstige Körperhaltungen etwa am Computerarbeitsplatz ein.

"Man muss im Alltag nicht unbedingt Stress vermeiden", sagt Kropp. Viele Patienten bekämen aber gar nicht mit, dass sie gestresst seien, so dass Muskeln im Nacken- und Stirnbereich sich dauerhaft anspannten und zu Kopfschmerzen führen könnten. "Bewegung kann hier Abhilfe schaffen", betont der Mediziner. Allerdings dürfe der Sport nicht in Leistungsdenken ausarten.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Leider erwähnt der Artikel wieder einmal nicht die beste Entspannungsübung die es gibt: Sich so zu ernähren, dass nicht zu viel Insulin ausgeschüttet wird und folglich der Hormonhaushalt nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn eine Hauptursache für permanenten Stress kommt nicht von außen sondern von innen, als direkte Auswirkung einer langfristig ungeeigneten Ernährung.




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