migraeneinformation.de.


Herzinfarkte und Schlaganfälle durch Migräne [Allgemein]
24 Aug 06

Erneut Nachmeldung von Interessenskonflikten

Eine Migräne mit Aura erhöht nicht nur das Schlaganfallrisiko, wie frühere Studien bereits gezeigt haben. Auch andere schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen treten nach einer prospektiven Kohortenstudie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA bei Migränepatienten mit Aura häufiger auf. Bei der Migräne ohne Aura, die überwiegende Mehrzahl der Erkrankungen, scheint das Risiko nicht erhöht zu sein.

Die Women’s Health Study war ursprünglich eine randomisierte kontrollierte Studie, die den Wert von Acetylsalicylsäure und/oder Vitamin E zur Primärprävention des Herzinfarktes untersucht hat. Wegen der umfangreichen Datenerhebungen und der langen Nachbeobachtungszeit eignet sich die Studie aber auch zur Klärung anderer Fragestellungen, etwa der, ob eine Migräne, die heute als Störung des Gefäßsystems gedeutet wird, mit kardiovaskulären Störungen einhergeht. Für das Schlaganfallrisiko wurde bereits in mehreren Studien ein Zusammenhang gefunden.

Dieser beschränkte sich auf jene Patienten, bei denen die Migräne mit einer Aura einhergeht. Tobias Kurth von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter können anhand der WHS-Daten zeigen, dass diese spezielle Untergruppe von Migränepatienten auch häufiger an einer koronaren Herzkrankheit erkrankt. Die Epidemiologen beschreiben signifikante Hazard Ratios von 1,7 (für Angina Pectoris und Koronare Revaskularisierungen) bis 2,3 (für einen Herzinfarkttod), womit die kardialen Risiken in etwa so hoch sind wie das Schlaganfallrisiko (Hazard Ratio 1,9). Die Autoren errechnen, dass Migräne mit Aura für jährlich 18 zusätzliche kardiovaskuläre Ereignisse pro 10.000 Frauen verantwortlich ist.

Die Frage nach dem Auslöser bleibt letztlich offen. Dass die Ereignisse in den Hirngefäßen eine Fernwirkung auf die Koronarien haben, ist nur schwer vorstellbar. Wahrscheinlicher scheint den Editorialisten Richard Lipton und Marcelo Bigal, New York, dass der Migräne mit Aura eine genetische Prädisposition zugrunde liegt, die auch allgemein das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen erhöht. Ein Kandidat sei ein Polymorphismus im Gen für die Methyltetrahydrofolat-Reduktase (C677T), der zu einem mäßigen Anstieg der Homocysteinwerte führt. Dieser Polymorphismus werde nur im Zusammenhang mit der Migräne mit Aura, aber nicht mit der Migräne ohne Aura gefunden, was dafür spricht, dass diese beiden Formen strenger als bisher zu trennen sind.

Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Neurologen bei Migränepatienten mit Aura immer auch einen Blick auf modifizierbare kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Hyperlipidämie oder Rauchen werfen sollten. Für die klinische Forschung stellt sich die Frage, ob präventive Medikamente bei der Migräne vielleicht auch einen günstigen Einfluss auf die kardiovaskulären Risiken haben könnten, was bei Betablockern und Kalziumantagonisten, die zur Anfallsprophylaxe der Migräne eingesetzt werden, durchaus möglich erscheint, aber noch zu beweisen wäre.

Am Rande notiert sei, dass die Autoren es zunächst unterließen, ihre zahlreichen finanziellen Beziehungen zu Arzneimittelherstellern offen zu legen, weswegen begleitend zur Studie eine “Korrektur” an die Studie angehängt wurde. In einem Leserbrief verteidigen sich die Autoren mit dem Hinweis, dass die Studie doch lediglich eine biologische Verbindung zwischen verschiedenen Erkrankungen beschreibe, fern jeglicher therapeutischer Anwendung, weshalb Industriekontakte ohne Relevanz für den Inhalt seien.

Weitere Infos finden sich hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Die Studie zeigt sehr schön, wie in der medizinischen Forschung Ergebnisse erzielt werden, die keinen direkten Zusammenhang zur Pharmaindustrie haben, daraus dann aber Schlüsse in eine bestimmte Richtung gezogen werden, die eindeutig zu Gunsten der Pharmaindustrie sind.

Der Artikel sagt, dass die Ursachen für den Zusammenhang unbekannt sind. Trotzdem spekulieren die Editoren darüber, dass es dafür genetische Gründe geben könnte. Für einen solchen Zusammenhang gibt es aber keinen Anlass.

In Verwandte Krankheiten geben wir aber eine völlig andere Erklärung für diese Erscheinung. In beiden Fällen könnte nämlich ein Energiemangel im Gehirn vorliegen, der dann zu einer scharfen Stressreaktion führt. Auch die Wirksamkeit einer bestimmten Klasse von Betablockern in beiden Fällen spricht dafür. Möglicherweise liegt gleichzeitig auch noch ein Energiemangel im Herzen vor. Dafür spricht auch die Tatsache, dass PFO verstärkt bei Aura-Patienten vorzufinden ist.



Kommentare (0)