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Schockreaktionen auf Nahrungsmittel sind keine absolute Seltenheit [Ernährung]
07 Okt 06

IgG-Antikörper-Test ist wenig aussagekräftig

Immerhin zwei bis drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden an einer Nahrungsmittelallergie. Die Symptome reichen von Hautbeschwerden wie Juckreiz und Urticaria über Fließschnupfen (Rhinitis vasomotorica), Atemnot, gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Anaphylaktische Reaktionen bei Nahrungsmittel-Allergikern sind keine absolute Rarität: So hat eine Befragung von 93 Pädiatern in Deutschland ergeben, daß diese innerhalb eines Jahres immerhin 103 Kinder unter zwölf Jahren mit lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen behandelt haben. Auslöser waren bei 57 Prozent Nahrungsmittel, besonders Erdnüsse, Baumnüsse, Kuhmilch und Fisch.

Wenn Patienten den Arzt aufsuchen, die nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel Beschwerden bekommen, sollte nicht nur eine genaue Anamnese erfolgen, sondern zusätzlich ein Symptom-Tagebuch von den Patienten geführt werden, empfiehlt der Wiesbadener Allergologe Professor Ludger Klimek. Die Patienten sollten etwa zwei bis drei Wochen lang notieren, wann sie welche Beschwerden nach bestimmten Mahlzeiten bekommen.

Allein dies liefere oft schon wichtige Hinweise auf die Ursache, sagte der Allergologe zur "Ärzte Zeitung". Entwickele ein Patient zum Beispiel immer nach dem Verzehr von Fischmahlzeiten in chinesischen Restaurants allergische Symptome wie Blähungen und Übelkeit, handele es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um eine Allergie gegen eine exotische Fischart.

Schwieriger ist die Diagnostik, wenn ein Patient zum Beispiel immer nach dem Verzehr von Schokolade Beschwerden bekommt. Hier könne es sich eventuell um eine Allergie auf Haselnüsse handeln, sagte Klimek. Klären ließe sich das durch Prick- und IgE-Test. Liefern Anamnese und Hauttest keine eindeutigen Hinweise, kann ein zusätzlicher Test auf spezifische IgE-Antikörper im Serum eine vorhandene Sensibilisierung nachweisen.

Für wenig hilfreich hält Klimek in diesem Zusammenhang den immer noch häufig angewandten IgG-Test, ein IGeL-Angebot. Der Nachweis von IgG-Antikörpern gegen bestimmte Nahrungsmittel bedeutet lediglich, daß der Patient mit diesen Nahrungsmitteln Kontakt hatte. "Wenn man 1000 gesunde Menschen auf IgG gegen ein Nahrungsmittel testet, ist das Ergebnis bei 800 der Untersuchten positiv", warnt der Allergologe.

Besonders schwierig kann die Diagnostik bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie sein, wenn der Prick-Test oder IgE-Test eine Sensibilisierung gegen mehrere Allergene anzeigt. Lässt sich dann anhand der Anamnese und des Symptom-Tagebuches nicht genau ermitteln, welches Allergen die Beschwerden verursacht, hilft nach Angaben von Klimek meist nur ein oraler Provokationstest. Dieser sollte doppelblind und Placebo-kontrolliert erfolgen.

Provokationstests sind auch sinnvoll, wenn Anamnese und Symptom-Tagebuch keine eindeutigen Hinweise auf das relevante Allergen liefern und zudem die Ergebnisse von Prick- und Bluttest negativ ausfallen. Hiermit läßt sich klären, ob es sich eventuell nur um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (Pseudo-Allergie) handelt. In diesem Fall sind die Symptome zwar ähnlich wie bei der echten Nahrungsmittel-Allergie, aber es läßt sich keine Sensibilisierung im IgE-Antikörper-Test nachweisen.

Bei Nahrungsmittelallergien hilft derzeit nur eine Allergenkarenz, d. h. das Meiden des Allergens. Das ist aber nicht so einfach, da die Betroffenen, etwa in Gaststätten, oft unbeabsichtigt Nahrungsmittel mit Allergenen verzehren. Daher sollten Patienten, die bereits schwere allergische Reaktionen hatten, ein Notfall-Set mit Antihistaminikum, Glukokortikoid und Adrenalin mit sich führen.

Weitere Infos finden sich hier.



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