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Diabetes bedroht indigene Völker [Ernährung]
17 Nov 06

Immer mehr Menschen leiden an "Zucker". Besonders die Ureinwohner Amerikas, Asiens und Australiens sind von der Krankheit betroffen

Unser westlicher Lebensstil ist extrem ungesund. Das bekommen inzwischen auch die Ureinwohner Amerikas, Asiens und Australiens zu spüren. Denn sie leiden mittlerweile in stärkerem Masse als die weiße Bevölkerung an Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes vom Typ 2. Die Ausbreitung von Übergewicht und Zuckerkrankheit ist "die größte Epidemie in der Geschichte der Welt", behauptet Paul Zimet, Direktor des australischen International Diabetes Institute. Und mit dieser Einschätzung steht Zimet nicht allein. Anfang der Woche trafen sich Fachleute erstmals in Melbourne zu einer Konferenz, die sich ausschließlich der Diabetesgefahr für indigene Völker widmete. Ihr Fazit lautet: Ergreift die Weltgemeinschaft nicht schnell konkrete Gegenmaßnahmen, dann sind indigene Völker weltweit vom Aussterben bedroht.

Westliche Ernährungsgewohnheiten führen mittlerweile bei den Inuit in Alaska ebenso wie bei den nordamerikanischen Indianern oder den australischen Aborigines dazu, dass der Leibesumfang zunimmt und daher das Risiko, an Diabetes zu erkranken, steigt. Damit einher geht die Gefahr von Herz- und Nierenerkrankungen sowie Schlaganfällen. Zurzeit, so sagt Zimet, "stirbt weltweit alle 10 Sekunden ein Mensch aufgrund von Diabetes."

"Der rasche Wandel innerhalb von ein oder zwei Generationen in vielen Volksgruppen hin zu westlichen Ernährungsgewohnheiten und Sesshaftigkeit hat dazu geführt, dass Diabetes die Infektionskrankheiten als Hauptbedrohung für das Überleben abgelöst hat", erklärt auch der kanadische Diabetes-Experte Stewart Harris. Jedes Jahr wächst die Zahl der an Diabetes Erkrankten um 8 Millionen. Im Jahr 2050, so Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), werden weltweit 250 Millionen Menschen erkrankt sein.

Für die indigenen Völker dieser Welt eine lebensbedrohende Katastrophe. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war "Zucker" im Pazifikraum eine unbekannte Krankheit. Inzwischen, so Harris, sind 50 Prozent aller Erwachsenen auf der pazifischen Insel Nauru erkrankt. Nauru hat 10.000 Einwohner. Auf den Torres Strait Islands im Norden Australiens sind 30 Prozent der Menschen Diabetiker und unter den Sioux-und Pima-Indianern Nordamerikas rund 45 Prozent.

Und der Typ-2-Diabetes, der ursprünglich mal als Altersdiabetes bezeichnet wurde, macht längst nicht mehr vor Kindern Halt. "Schon bei Teenagern stellen wir Bluthochdruck und einen hohen Cholesterinspiegel fest", sagt Ashim Shina, Direktor eines Krankenhauses in Cairns im australischen Bundesstaat Queensland, zu dem die Torres Strait Islands zählen. In vereinzelten Fällen seien ältere Teenager schon an Nierenversagen oder einem Schlaganfall gestorben.

Auch bedroht die hohe Zahl an Typ-2-Diabetikern bei den Ureinwohnern Neuseelands ihr Überleben. Jeder fünfte der 500 000 Maori stirbt an Diabetes verglichen mit vier Prozent der weißen Neuseeländer. Die Maori sind durch rasche Anpassung an westliche Ernährung sehr anfällig für Diabetes.

Shina plädiert für eine aggressive Kampagne der Vereinten Nationen, um die Ernährungsgewohnheiten der Menschen zu ändern. Screenings und gesunde Ernährungsprogramme müssten in den Schulen etabliert werden. Und vor allem: Gesunde Nahrungsmittel müssten billiger werden. Denn auf den Torres Strait Islands ist gesundes Essen extrem teuer. "Frisches Obst und Gemüse", so Shina, "kosten dort das Drei- bis Vierfache dessen, was es in den Städten Australiens kostet."

Weitere Infos finden sich hier und hier.

Anmerkung von migraeneinformation.de:
Dazu wird es aber erforderlich, dass die Ernährungswissenschaften endlich mit seriösen Informationen aufwarten. Noch immer wird so getan, als wenn fettreiche Ernährung zu Diabetes führe und dass auch der Fleischkonsum ein Problem darstelle. Die Völker, die nun aber von Diabetes betroffen sind, sind dagegen als ausgesprochene Fett- und Fleischesser bekannt. Auch der Hinweis auf die zu hohen Kosten von Obst und Gemüse wirkt geradezu unfreiwillig komisch, wenn im gleichen Atemzug von in Alaska wohnenden Inuits gesprochen wird.



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