Syndrom X und Syndrom Y.

 


Inhaltsübersicht



Syndrom X

Syndrom Y


Syndrom X


Seit einigen Jahrzehnten wird in der Medizin und Ernährungswissenschaft das Syndrom X, welches sich in 4 markanten und gefährlichen Eigenschaften ausdrückt, diskutiert:

  • Hypertonie (erhöhter Blutdruck)
  • Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte)
  • Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker)
  • Insulin-Resistenz (abgeschwächte Reaktion der Körperzellen auf Insulin)

Sehr häufig treten die obigen Symptome gemeinsam mit einem erhöhten Körpergewicht und anderen Störungen und Symptomen auf.

Dieses Syndrom gilt als das Grundgerüst, auf welchem sich eine ganze Reihe von Wohlstandserkrankungen wie Diabetes oder Herzerkrankungen ausbilden können.



Syndrom Y


Daneben gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die z. T. unter recht gegenläufigen Symptomen leiden (die im Folgenden mit Syndrom Y bezeichnet werden sollen), die im Prinzip genauso krank sind, und denen es in der Regel kein bisschen besser geht als Syndrom-X-Betroffenen:

  • Hypotonie (erniedrigter Blutdruck)
  • Hypolipidämie (niedrige Blutfettwerte)
  • Hypoglykämie (erniedrigter Blutzucker)
  • Glukose-Intoleranz (verringerte Insulin-Sensitivität bei gleichzeitig latentem Hyperinsulinismus)
  • niedriges Körpergewicht

Da Cholesterin eine Vorstufe für zahlreiche Hormone wie Cortisol, Östrogen, Progesteron und Testosteron ist, führt die Hypolipidämie u. a. zu einer Schwächung des Hormonsystems.

Es ist vorstellbar, dass beide Syndrome letztendlich durch die Insulin-Anforderungen bei dauerhaft hoher Kohlenhydratzufuhr verursacht werden:

  • Mal wird zunächst reichlich Insulin ausgeschüttet und effizient verwertet, was langfristig zur Verfettung und Insulin-Resistenz führt (Lutz, Wolfgang: Leben ohne Brot, 14. Auflage, 1998, Seite 196 f),
  • mal wird reichlich Insulin ausgeschüttet aber nicht effizient verwertet (Rainero I et al, Insulin sensitivity is impaired in patients with migraine, Cephalalgia, 2005 Aug;25(8):593-7).

Auf Grund der Konzentration auf den übergewichtigen Syndrom-X-Typ kann man mittlerweile locker zwischen mehreren hundert Diäten zur Reduzierung des Körpergewichts wählen, während Diäten zur Anhebung des Körpergewichts entweder nicht existieren oder auf kein Interesse bei Medizin und Medien stoßen.

So schreibt denn auch Wolfgang Lutz in Leben ohne Brot über die Wirkungen seiner kohlenhydratarmen Diät:

"Dieser Neuaufbau von Substanz, nicht nur von Fett, bewirkt nun, dass dünne Personen dicker werden, eine ganz neue Erkenntnis und noch dazu eine ganz wichtige, denn es gibt bisher kein wirksames Mittel dafür. Wer es schon versucht hat, wird mir recht geben."

Häufig tritt das Syndrom Y zusammen mit weiteren nervlichen oder psychischen Problemen auf, so dass oft irrtümlich angenommen wird, dies sei die eigentliche Ursache der Erkrankung. Deshalb werden dünne Menschen mit dem Syndrom Y häufig von der Medizin allein gelassen: Wer unter dem Syndrom X leidet hat ein Stoffwechselproblem und verdient eine umfangreiche medizinische Versorgung, wer dagegen das Syndrom Y hat, zu dünn und zu nervös ist, muss stattdessen mit psychotherapeutischen Maßnahmen vorlieb nehmen.

Migräne-Kranke sind – zumindest in jugendlichem Alter – nicht selten vom Typ Syndrom Y, sie sind zu dünn, haben chronisch labile und zu niedrige Blutzuckerspiegel, sie sind nervös, leiden unter Panikattacken und Depressionen und werden deshalb von der Medizin nicht optimal versorgt.

In Abschnitt Adipositas und Fettstoffwechsel wird dargestellt, dass die Substanzprobleme des Syndrom-Y-Typs möglicherweise auf die fehlende Ketolyse-Fähigkeit seines Gehirns und die sehr starke Glucose-Ausrichtung seines Stoffwechsels zurückgeführt werden können.