Medikamenten-induzierter Kopfschmerz.

 


Inhaltsübersicht

Auf dieser Seite werden die folgenden Themen behandelt:


Was ist ein Medikamenten-induzierter Kopfschmerz (Rebound Headache)?

Die natürliche Gegensteuerung des Körpers

Wen betrifft es?


Was ist ein Medikamenten-induzierter Kopfschmerz (Rebound Headache)?


Ein Beitrag der Klinik und Poliklinik für Neurologie Regensburg der Universität Regensburg definiert den Medikamenten-induzierten Kopfschmerz (MIK, Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz, MÜK, Rebound Headache) so:

"Medikamenten-induzierter Kopfschmerz: Diese praktisch täglich auftretende Kopfschmerzform wird, wie der Name schon sagt, von Medikamenten, und zwar genauer von Schmerz- und Kopfschmerzmitteln hervorgerufen. Es klingt paradox, aber alle Schmerzmittel können, wenn sie regelmäßig über längere Zeit eingenommen werden, Kopfschmerzen hervorrufen. Der Kopfschmerz ist wie eine Mischung aus einer Migräne und einem Spannungskopfschmerz und der einzige Kopfschmerz, den man heilen kann! Die einzig sinnvolle Therapie besteht in einem vollständigen Absetzen der Schmerzmittel. Nach etwa 4-6 Wochen ist meist der tägliche Kopfschmerz rückläufig und der eigentliche Kopfschmerz (z.B. eine Migräne) mit dem alles angefangen hat, kommt wieder zum Vorschein. Diesen kann man dann wieder mit geeigneten Medikamenten behandeln."

Hierbei sind einige Dinge auffällig:

  • Es wird behauptet, dass man lediglich die Schmerzmittel absetzen muss, dann kehrt nach 4 - 6 Wochen wieder der "eigentliche" (nicht tägliche) Kopfschmerz zum Vorschein, der dann mit "geeigneten" Medikamenten behandelt werden kann. In wie weit sich diese Medikamente von den Medikamenten unterscheiden, die zum Medikamenten-induzierten Kopfschmerz geführt haben, wird nicht erläutert.
  • Es wird ferner behauptet, dass der Medikamenten-induzierte Kopfschmerz der einzige Kopfschmerz ist, den man heilen kann. Es fragt sich unmittelbar, warum gleiche Erfolge bei Kohlenhydrat-, Glutamant-, Zigaretten-, Speiseeis-, Cola-induzierten und sonstigen Lebensmittel-induzierten Kopfschmerzen nicht erzielbar sein sollen. Möglicherweise wird angenommen, dass Kopfschmerztabletten Medikamente sind, auf die man verzichten kann, während dies für unser täglich Brot nicht möglich ist.


Die natürliche Gegensteuerung des Körpers


Andere Quellen machen deutlich, dass es sich beim Medikamenten-induzierten Kopfschmerz (MIK, Rebound Headache) um eine natürliche Gegensteuerung des Körpers handelt:

"When you take pain medicine daily, even if it's just an over-the-counter remedy, your body can gradually become accustomed to it. You may not realize that you've been dosing yourself too often until, for some reason, you miss a day. Then your pain medicine will wear off and your head will start hurting again. You may think you just have an especially persistent headache, but the recurring pain actually is a symptom of medication withdrawal. The more often your head hurts, the more often you take your pain medicine. It becomes a vicious cycle."

Mit anderen Worten: Der Körper gewöhnt sich an die regelmäßige Zuführung der Stoffe und reagiert mit Entzugssymptomen, wenn sie denn plötzlich ausbleiben.

Dies ist ein natürlicher Mechanismus des Körpers, der insbesondere bei allen Suchterkrankungen, u. a. auch bei Kohlenhydratsucht, eine Rolle spielt. Speziell die Homöopathie versucht, sich diese grundsätzliche Reaktion therapeutisch zu Nutzen zu machen.



Wen betrifft es?


Studien deuten an, dass Migräne-Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko tragen, an einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz zu erkranken. Dies gilt insbesondere bei Einnahme von Opiaten, Ergotaminen (Mutterkornextrakten) aber auch Triptanen. Eine Umfrage auf migraeneinformation.de zeigte deutlich, dass Migränepatienten häufig den Eindruck haben, dass Triptane bei ihnen langfristig die Anfallshäufigkeit erhöht haben.

Inwieweit klassische nichtverschreibungspflichtige Monopräparate wie ASS, Ibuprofen oder Kombinationspräparate wie Thomapyrin einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz auslösen können, ist weiterhin umstritten.

Andere Studien zeigten beispielsweise, dass regelmäßiger Cola-Genuss bei Kindern häufige Kopfschmerzen auslösen kann. Insoweit ist zu fragen, ob ein regelmäßiger Konsum handelsüblicher Schmerzmittel häufiger zu chronischen Kopfschmerzen führt als etwa der tägliche Genuss von Cola, Schokolade und anderen Genussmitteln.

Denn anders als bei Nahrungsmitteln, die aus Lust oder Frust verspeist werden, hat die Einnahme von Schmerzmitteln ja meist einen ganz konkreten Grund: Schmerzen. Und diese Ausgangsschmerzen wird man in aller Regel nicht durch das Absetzen handelsüblicher Schmerzmittel beseitigen können.