Änderung der Verhütungsmethode.

 


Zwar liegen keine Studien vor, die schlüssig belegen, dass die Pille Migräne direkt verursacht, allerdings bestehen insbesondere bei Östrogen-haltigen Pillen sehr viele Verdachtsmomente.

Beispielsweise finden sich auf zahlreichen Beipackzetteln hormoneller Kontrazeptiva Hinweise der folgenden Art:

"Gründe für das sofortige Absetzen: Kopfschmerzen die erstmalig migräneartig oder häufiger ungewohnt stark auftreten, plötzliche Empfindungs-, Wahrnehmungsstörungen (Seh-, Hörstörungen) sowie Bewegungsstörungen, insbesondere Lähmungen (mögliche erste Anzeichen eines Schlaganfalls), ..."

Eine epidemiologische Studie mit Daten aus den Niederlanden kam zu dem Ergebnis, dass die von der Studie erfassten Frauen mit Migräne doppelt so häufig orale Kontrazeptiva einnahmen wie Frauen ohne Migräne.

Eine norwegische epidemiologische Studie (Head-HUNT) unter 13.944 gebärfähigen Frauen kam zu den folgenden Ergebnissen (Aegidius K, Zwart JA, Hagen K, Schei B, Stovner LJ: Oral contraceptives and increased headache prevalence - The Head-HUNT Study, Neurology 2006;66:349-353):

  • Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva (Pille) einnahmen, litten durchschnittlich 1,4-mal so häufig unter Migräneattacken und 1,2-mal so häufig unter Spannungskopfschmerzen.
  • Dabei schien die Höhe der Östrogendosis keinen Einfluss auf die Kopfschmerzhäufigkeit zu haben, die erhöhte Anfälligkeit für Kopfschmerzen war sowohl bei der Pille als auch der Mikro-Pille vorhanden.
  • Kein Zusammenhang zur Kopfschmerzhäufigkeit konnte bei der Nutzung reiner Gestagen-Präparate (Mini-Pille) festgestellt werden.

Eine Metanalyse über 14 Studien errechnete ein um den Faktor 8,7 erhöhtes Risiko für Frauen mit Migräne, die orale Kontrazeptiva einnahmen, einen Schlaganfall zu erleiden.

Eine weitere Untersuchung ergab, dass Frauen mit Migräne "ein größeres Risiko besitzen, tiefe Läsionen der weißen Hirnsubstanz (DWML) zu entwickeln als weibliche Kontrollpersonen. Die Anzahl der DWML korrelierte mit der Frequenz, in der Migräneanfälle auftraten. Allerdings war dieses Phänomen unabhängig von der Art der Migräne: sowohl bei Migräne mit Aura als auch bei Migräne ohne Aura war die Anzahl der DWML erhöht. Dies galt jedoch nicht für männlichen Patienten: Hier konnte bezüglich der Häufigkeit der DWML kein Unterschied zu Kontrollpersonen festgestellt werden."

Auch dies könnte unter Berücksichtigung des gleichzeitig deutlich erhöhten Schlaganfallrisikos auf einen Zusammenhang mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva bei Frauen hindeuten.

Menstruelle Migräne ohne Aura wird häufig durch den prämenstruellen Östrogenabfall verursacht, Migräne mit Aura dagegen durch zu hohe Östrogenkonzentrationen. Dies legt besonders nahe, dass eine Migräne mit Aura durch die regelmäßige Einnahme östrogenhaltiger Kontrazeptiva entscheidend gefördert werden kann. Auf Grund des deutlich erhöhten Schlaganfallrisikos sind deshalb bei Migräne mit Aura östrogenhaltige Kontrazeptiva (auch mit geringer Östrogendosierung) kontraindiziert (verboten).

Bei menstrueller Migräne ohne Aura kann dagegen der umgekehrte Weg beschritten werden. Hier können manche Frauen Linderung erzielen, in dem sie die Pille mehrere Monate lang durchnehmen (sofern dies für das entsprechende Präparat zulässig ist) und hierdurch den monatlichen Hormoneinbruch vermeiden.

Versucht werden kann auch der Einsatz einer östrogenfreien Minipille.

Da bei Migräne das Hormonsystem beteiligt ist, kann es von Vorteil sein, möglichst auf hormonelle Eingriffe zu verzichten und auf andere Weise zu verhüten.

Weitere Informationen finden sich im Abschnitt Hormonelle Faktoren.